Die Schutzbefohlenen. Appendix

Die Eroberung der Welt als Bild, das war einmal, denn Bild ist ja Herstellen. Die Menschen werden aber nicht hergestellt, und sie bleiben nicht, wo sie hingestellt werden. Sie kämpfen um ihre Stellung, das ist keine Stellung, so wie Sie sich das vorstellen, das ist einfach, wie sie sind. Sie haben es aufgegeben, dem Seienden ein Maß zu geben, denn das Maß ist noch nicht geschöpft, in das sie hineingehen. Sie gehen aber. Sie gehen weiter. Keine sonnengebräunten Wangen, aber wunde Herzen, tränenkundig, ja, weinen, das können sie. Sie müssen es können, alle außer Ärzten und Sehern, denen es schon vergangen ist, müssen es können. Was, Sie hatten drei Kinder, und jetzt sind es nur noch zwei, das dritte, zufällig drei Jahre alt, fehlt plötzlich? Das ist noch gar nichts im Vergleich zu anderen, die es gar nicht mehr gibt, beruhigen Sie sich! Sie ziehen dahin. Diese paar Männer aus der Kirche, die mir einmal so wichtig waren, so teuer, wie Verwandte in Furcht ob ihrer Flucht: viele schon weg, manche angeklagt, sie haben jemand im Zug mitgenommen, der Zug hat sich nicht beklagt, doch hier wurden sie beklagt, ich weiß es nicht, hab vergessen, wie es ausgegangen ist, es wird sie wohl noch geben, die Männer, welche übrigblieben, oder es wird sie nicht mehr geben, vielleicht einige sogar noch bei uns, ich weiß es nicht. Wer an ihrer Richtschnur gezogen hat, ein Richter, ein Retter, gezogen mußte werden, gezogen wird immer, an ihnen gezogen, hierhin, dorthin. Und sie selber ziehen auch. Sie ziehen herum. Sie haben schon ein Ziel, das am Christenhochmut der Ungarn zerschellt, doch unser Stamm versorgt sie noch. Im Inneren die tolle Gier, noch bekämpfen wir sie. Es hat mich überwältigt, das Mitleid hat mich überwältigt und andres auch, keine Ahnung, was, zum Beispiel heute früh, da hat es mich wieder überwältigt, aber was soll das, was soll das, ich sitze hier in meinem Häuschen, da werde ich ja schon von einer einzelnen Windböe überwältigt, die an mein Fensterchen klopft, aber dann doch nicht hereinkommt, wenn sie mich sieht, oder von dem Besoffenen, wahrscheinlich aus der Nachbarschaft, den ich nicht hereinkommen lasse. Ich mache das Fenster zu, ich mache die Tür zu und aus.

Die wandern umher, diese Menschen, es sind so viele, niemand kann sie überblicken, es wird von ihnen gesprochen, niemand kann sie verstehen, die sind so, daß sie nicht kennen, wie man hier spricht. Kein Wunder, wenn man ihnen gar nicht erst zuhört, nicht ihren Leiden, nicht ihren Liedern, die nicht brauchbar sind, für keinen außer ihnen, die Lieder, die man hört, zur Klampfe, zum Orchester, die man hören darf in einer Show, wo Menschen sich zeigen, die wirklich vorzeigbar sind und sogar echt und sogar mehr als das, die Wehlaute hervorbringen, die sie sich vor dem Spiegel eingelernt haben wie Splitter, die man sich eintritt, etwas tut weh, und man muß es sich anschauen, ob man will oder nicht. Ist er nicht eindringlich, der gelernte Kummer der Sängerin in dieser Show?, der dürfte ruhig eindringen, wenn er persönlich käme, er ist ein Liebeskummer. Das Leben ist so schwer, singt sie, atemlos, aber sie hat noch genug Luft, zum Glück, Luft haben sie alle, was für ein Leiden in Liedern, es tobt aus dem Gerät, der Schwall schwappt heraus, was für Leiden an Liedern, und die Frau singt so schön, ja, der Mann auch, aber das wollte ich nicht sagen, diese Sendung ist ohne mich vorübergegangen und kommt noch dreimal in diesem Jahr, macht ja nichts. Wie klagen sie laut, das sind echte Klagen, ja, greifen Sie sie ruhig an!, denn auch diese Leute, die hier lagern, hoffentlich nur vorübergehend, bis sie wieder gehen, werden daran gemessen, wie echt sie das Klagen rüberbringen, was klagen sie doch laut, hellgellend, dumpftönend, von Tränen betaut. Des Wehlauts Töne singt jetzt auch diese Frau, gestern habe ich sie noch nicht gesehen, morgen werde ich andre sehen, doch heute ist sie dran: Wo bitte ist ihr drittes Kind, die dreijährige Tochter, wo bitte, wer hört es, wer erhört es. Keine Ahnung. Im Fernsehen geht es leichter, im Sozialmedium, das ein Sozialmarkt ist, noch leichter, da kann man sich die Besuchszeiten aussuchen. In Wirklichkeit gibt es nur Ausschnitte, einschneidende Ausschnitte, nicht in fremdartigen Sprachlauten, die wir nicht kennen, nein, die Frau, die Sängerin, singt deutsch, und Deutsch wollen sie jetzt alle möglichst schnell lernen, die da herumlagern, gehüllt in Decken, Tücher, Folien, ach, die sind so steif, die kann man ja kaum um sich herumwickeln. Die klagenden Laute der Sängerin sind so laut, daß man die Fenster aufreißen muß, damit die Laute wieder rauskönnen, sonst drücken sie uns die Scheiben ein.

Bitte, ist hier noch jemand bedrückt? Diese Mutter, die das dritte Kind auf dem Weg verloren hat, sie wird getröstet, sie wird versorgt, etwas wird aufgeschrieben, damit man das Kind wiederfindet. Oder es ist halt weg und aus. Dann wird das ein Grablied. Auch schön. Mehr als sie verdienen, wie sie da sitzen und sich Schuhe heraussuchen aus dem Haufen, den keiner sortiert hat. Sind das die richtigen Lieder, die richtigen Tränen, ist das das richtige Leiden? Es würde mich nicht wundern. Sie hoffen darauf, daß ihnen etwas, am besten alles zum Heil ausschlägt, und Deutschland schlägt noch nicht aus, nicht im Sinn von Blühen, also es treibt ununterbrochen aus, es treibt niemanden heraus, Deutschland ist da und bleibt auch da, und es ist gut, und es ist am Ruder, und es wehrt die Salzfluten, was nicht schwierig ist, ihr Meer ist oben, aber dort wollen sie auch hin, die uns jetzt belagern. Sie wollen nach Deutschland oder nach Schweden. In Schweden können sie fertig studieren und nach fünf Jahren Bürger werden des Landes. Wer fragt? Wer fragt, was in des Schiffes Haus davor passiert ist, mit anderen, mit niemandem, mit vielen, was ist passiert, daß noch ohne Sturm ein sanfter Hauch des Windes sie hergetragen hat, und trotzdem sind sie gekentert, wer ist schuld, sie sind selber schuld. Nimmer klagen sie darob, sie müssen es in Kauf nehmen, und jetzt sind sie ja da. Sie schaffen Vulkane aus Scheiße, aus Dreck, aus Müll, es sieht aus, als wäre ein Müllberg explodiert, ja, schauen Sie doch, was die für Dreck machen, und sowas sollen wir jetzt immer unter uns wohnen haben? Sie schaffen den Deutschkurs nicht, weil sie nicht reinkommen, da sind sie zu uns reingekommen und schaffen den Kurs nicht, den jeder von uns schaffen würde, denn von uns kann jeder unberührt entfliehn, wohin er will, also sie schaffen stattdessen, anstatt daß sie ordentlich Deutsch können, jede Menge Unrat, denn guter Rat ist teuer, Unrat gibts gratis, weil in Ungarn das Klo noch nicht erfunden, vielleicht schon erfunden wurde, aber seinen Weg noch nicht gefunden hat bis dorthin, ich höre gerade, Serbien hat genau dasselbe Problem, nur schlimmer, da darf ich nichts mehr gegen Ungarn sagen, werde es aber trotzdem tun. Der Zaun ist jetzt zu. Ein Zug kam und machte ihn mit Natodraht zu, jetzt sollte ich etwas über Nahtoderfahrung sagen, das würde gut passen, und die sind ja wirklich, falls sie nicht schon bei der Überfahrt gestorben sind, dem Tod oft nahe, aber nicht so nah, daß sie dabei Erfahrungen machen würden. Und machten sie Erfahrungen, sie würden es nicht sagen.

Berechnungen tragen immer Gewalt in sich, seinen Weg hat zum Beispiel Odysseus berechnet, einer der berühmtesten Reisenden zum Hügel Hisarlik, Türkei, und zurück, dann aber wurde er aufgehalten von so vielem, dabei hatte er eine Rückfahrkarte, keine Ahnung, wie lang die gültig war und wie oft sie entwertet wurde. Die Welt muß eine unentbehrliche Form finden, sonst gehts nicht weiter, aber wie viele entbehren jeder Form auf den Bahnen, die sie ziehen, in den Bahnen, in denen sie fahren, auf den Schienen, wo sie dahinziehen, von Schwelle zu Schwelle, nicht hierhin oder dorthin, diesmal nicht, sie folgen brav den Schienen, die ihnen den Weg vorschreiben, dafür können dann allerdings die Züge nicht mehr fahren, weil Menschen nicht ihre Plätze besetzten, sondern ihren Platz einnahmen. Dieses Gleis wurde besetzt. Einer zahlt immer drauf, weil er der letzte ist. Gestern noch ist Mercedes in den Lagern der Deutschländer gewesen und hat Brauchbares und Unbrauchbares an Menschen sortiert, das geht schnell bei denen, sonst wären sie nicht so erfolgreich, klar, der Gott von denen ist kein abgeschiedener Gott, klar, der ist gar keiner, wer glaubt schon an den? Wir wären nicht so erfolgreich, würden wir an ihn glauben, sagt der Herr von Daimler und notiert sich Namen von Männern, die was können, die flehend kamen mit einem Zweig, mit dem sie wedelten, bald werden sie Schraubenzieher oder sonstwas in der Hand haben, das ihnen der Bot, der Robot, der teure Helfer des Menschen, der teurer ist als jeder Mensch und diesen gerne ersetzt, nicht in die Hand legen will, sonst wird nämlich er durch Menschen ersetzt!, und wir?, wir hier kriegen mal wieder den Abfall, den Mercedes übriggelassen hat, den gebrauchten Skoda oder den Kühllaster, der mehrmals den Besitzer wechselte und jetzt gar keinen mehr hat, zumindest meldet er sich nicht; unser Stern zeigt woandershin, und es ist kein guter Stern, Geschwindigkeit unbekannt, nein, Blödsinn, bekannt, wir wissen, wie schnell dieses Auto fahren kann, wenn es will. Aber die Menschen kommen nicht so schnell nach, die können nicht so schnell, sie drängen sich aber, nein, nicht zum Kampf der Weltanschauungen, den können sie vielleicht gewinnen, Sicherheit nicht. Die können sie nicht gewinnen. Die können nicht gewinnen. Nicht gegen uns, weil wir sie in unser Leben nicht einbeziehen können und auch unser Leben nicht mit ihnen und auf sie beziehen können.

Wir haben schon genug Bezüge, mehr brauchen wir nicht. Wir würden uns gern auf diese atemlose Sängerin beziehen, eine andre als die eingebürgerte, eingebürgert muß diese nicht mehr werden, sie ist es schon, sie hat ein Recht, sie hat recht, wenn sie singt und tanzt und lacht und heult. Eine Anschauung ist für mich leider nicht möglich, es sind zu viele geworden. Es muß ausgewählt werden, was man sich anschauen will, diese Sendung: ja, aus vollem Herzen ja! So wie die singt, so muß sie sich hier schon lange niedergelassen haben, denn böse Menschen haben solche Lieder nicht und wollen sie auch nicht. Ich schaue sie mir nicht an, die Sängerin und ihre tolle Show, in der sie durch die Luft geflogen kommt, hat die ein Glück!, aber ich könnte es, nein, nicht fliegen, ich habe das Gerät dafür, ein Gerät fürs Schauen. Falls ich mich einmal aufhängen möchte, in der Schlinge dieser Sängerin möchte ich nicht erdrosselt werden, die Gefahr besteht aber nicht. Die Gefahr besteht bei anderen, Gott sei Dank sind sie rechtzeitig weggekommen, und wohin? Zu uns. So. Eine Anschauung geht sich noch aus, nein, eine Anschauung geht nicht, aber ich habe ja schon eine, die kann ich gern abgeben, falls Sie eine brauchen! Ich habe schon eine Anschauung, diese ist eine zuviel, eine zweite Anschauung brauche ich nicht, ich habe mich an der ersten schon sattgesehen, die zweite ist sogar mir zuviel, obwohl ich insgeheim mehrere zum Wechseln habe, die habe ich in der Hinterhand, mal sehn, was passiert, im Notfall ziehe ich sie heraus und schlage sie einem anderen über den Schädel, mit einem Totschlagargument. Der nächste darf keinesfalls mein Bruder sein, sonst schlage ich zu, sonst schlag ich ihm den Schädel ein. Er darf nicht mein Bruder sein, und das sieht er auch ein. Sie sehen schon, es ist einfach furchtbar, was ich mir alles anschauen muß, jeden Tag, und jeden Tag ändere ich meine Anschauung, ich habe mir rechtzeitig Reserve-Anschauungen besorgt, falls die eine, die ältere, überholte, überholt oder gewaschen werden muß. Jetzt schaue ich mit meinen heutigen Augen, ich sehe meine heutigen Ansichten und sage es Ihnen an: Gestern waren die alle noch Menschen. Heute kann ich sie nicht anschauen, von gestern auf heute sind noch Tausende, Zehntausende dazugekommen, und schon beginnt des Unrechts Vorwurf sich zu erheben. Wir machen stichprobenartige Kontrollen, die aber nicht sehr kontrolliert ablaufen. Es ist die reine Willkür, aber sie dient eh zu nichts. Unter Kontrolle stell ich mir was andres vor, gelt, Mama? Wie soll man Tausende kontrollieren, wie soll das gehen, diese Stichproben stechen nicht, obwohl wir alle Trümpfe haben, ich kann diesen Anblick nicht mehr ertragen, ich halte das nicht mehr aus, ich kann gar nicht hinschauen, dafür werde ich nicht heimgesucht, von keinem Groll, von gar nichts, ich bin einer neuen Form entsprungen, ich biete Ihnen hier Neues, sehen Sie das denn nicht, seien Sie froh, nur hier kriegen Sie das Neueste, sonst müßten Sie es sich aus Zeitungen oder dem Fernsehen oder dem Gesichtsbuch holen, dem einzigen Ort, wo Sie mich nicht finden werden, mein Gesicht würde das nicht aushalten, so, das Radio sagt es Ihnen aber auch, ich sage immer das, was alle sagen, was die anderen sagen, ich warte, bis sich etwas Neues mir darbietet, und dann werfe ich es in denselben leeren Abgrund, in den auch Sie alles werfen, was Sie nicht brauchen können. Und ich flüchte mich schon wieder in meine neueste Anschauung, soll ich nicht besser die andre nehmen, die von gestern? Ich weiß es nicht, es sind einfach zu viele, und es sind zuviele Menschen übrig, die vorher nicht da waren, sie sind nicht möglich. So viele sind uns nicht möglich. Wo sollen die hin, wo kommen die her? Die haben sich das so vorgestellt, aber es geht nicht, das Hinkommen geht nicht. Das Herkommen war schon mühsam, weil die so oft lügen, sie sind nicht die, die sie sind, aber das Hinkommen und das Hineinkommen gehen derzeit nicht, es geht sich nicht aus, denn es wird ab nun kontrolliert. Das Hinkommen wird aufgehalten und damit auch das Fortkommen. Vielleicht wird dieses Baby, dieses Kind fortkommen, eins ist uns schon weggekommen, eine Dreijährige, bin gespannt, ob sie gefunden wird, und viele andre sind gar nicht erst davongekommen. Wir werden unser Wissen über die Menschen ändern müssen, aber das Wissen sträubt sich. Was es weiß, das will es behalten. Es wird nie mehr sein wie zuvor, allein daß es von diesen Menschen, von diesen Gegenständen weiß, wird einen Unterschied machen, das Bewußtsein wird, fürchte ich, sein Wissen ändern müssen, anders wird es nicht gehn, und dieses Wissen wird auch den Gegenstand selbst verändern, es wird uns alle verändern, bitte, hören Sie mir noch zu, solange ich die bin, die ich bin, solange ich noch spreche, solang ich diese Gegenstände, diese Menschen als Gegenstände, mein Wissen noch entsprechend finde, nicht entsprechend finde, nein, meinem Wissen entsprechend, und das ist sehr klein — ansprechend finde ich sie schon gar nicht, ich wüßte ja nicht, in welcher Sprache —, solang ich sie also überhaupt noch finde, die Menschen, nicht die Sprache, die hab ich hier, die hab ich immer bei mir, bitte, hier ist sie ja, grüß Gott!, die macht das schon, die macht das hier schon. Blödsinn, ich weiß doch, wo ich sie finde, die Menschen, die Gegenstände meines Denkens, nein, Denken kann ich das nicht nennen, solange ich sie finde, wie mir vorgesagt wird, wie finde ich denn das?, stark verkleinert und in diesem Gerät, und zwar um neun, um eins, um fünf und dann am Abend noch dreimal, und wenn ich sie finde, diese flüchtigen Menschen, werden die alle nicht halten, weil sie ja so flüchtig sind, dann wird nichts mehr halten, und auch ich werde nicht mehr an mich halten können, ich kann es jetzt schon nicht, wie Sie sehen. Doch ich werde auch sonst nichts mehr finden, an das ich mich halten kann. Ich werde meinen Maßstab dafür auch nicht mehr finden. Das kommt davon, wenn man sich auf die Reise begibt, so und soviele kommen dann nicht davon, die restlichen kommen her, oder sie kommen um, weil sie für die Reste ihrer Familien ein Fortkommen wünschen, und wäre es nur von hier. Weshalb kommen sie dann erst her, wenn sie doch fort wollen?

Verkehr? Wird eingestellt. Doch jetzt, was ist jetzt, jetzt wird er wieder aufgenommen, aber kontrolliert, morgen wird die Kontrolle dann wieder aufgenommen werden und der Verkehr wieder eingestellt. So. Dieser Zug wird jetzt einmal abgestellt. Vielleicht wird er schon in einer Stunde wieder bereitgestellt, ich weiß es nicht. Wer will mit denen schon verkehren? Gute Menschen mit Essen und Kleidung, die sie entbehren können, wollen das, ich danke ihnen hiermit ausdrücklich, und ich habe viele Ausdrücke dafür, die ich mir sparen werde, aber dafür werden Sie sich bald, vielleicht morgen schon, schön bedanken! Schreibt meine Worte euch ins Herz, falls ihr kein Papier zur Hand habt oder kein andres Gerät, das sie aufnimmt, wenigstens meine Worte sollten aufgenommen werden. Nein. Die nicht. Wir wollen andre Worte, von anderen. Wer soll die bitte aufnehmen? So viele Geräte gibt es nirgends, die aufzunehmen, obwohl ihre Geschichten sicher interessant sind, und wenn erlogen, dann noch interessanter. Oh Gott, diese Schar wird jetzt in meine Richtung bewegt! Was soll ich tun? Das Gerät abschalten, bevor es sich erhitzt? Aber das wird höchstens lauwarm, wie ich. Es sind so viele, das sind so viele Menschen, die an ihren früheren Stationen ein Ziel gefunden haben, das ist jetzt weg, jetzt sind wir ihr Ziel. Es sind riesenhafte Mengen, die der Planung und Führung und Weiterführung und Fortführung, falls man sie nicht behalten kann, in Ungarn kann man es nicht, bedürfen. Sie sind Bedürftige, die eine Menge Arbeit machen, viele machen sich diese Arbeit nicht, und dann scheißen sie uns vors Haus und schmeißen ihren Abfall hin. Wohin sollen sie damit, wenn in Ungarn das Klo noch nicht erfunden wurde, in Serbien noch weniger; das transportable Klo meine ich, eine der bedeutendsten Erfindungen der Menschheit, die bauen will, sie an sich anbauen, sich erweitern und dann fortpflanzen will, wo sollen die Bau-Arbeiter denn hin, aber die sind eine überschaubare Menge, die sehen auch gleich, wo das Klo steht, immer in Sichtweite, damit nicht zuviel wertvolle Bausubstanz, also Bauzeit, verlorengeht, nicht wahr, wo ist es, das liebe Häuschen, das wir alle kennen, bis Ungarn ist es noch nicht vorgedrungen. Ich glaube, die machen das absichtlich. Odysseus, komm mal her und schau, nein, ich meine: hör zu! Der Gesang von diesen Geschöpfen kann einen schon ablenken, falls man abgelenkt werden möchte, diese Sängerinnen würden wir jetzt brauchen, nicht die Sirenen, die sind gelb und mit Pailletten bekleidet und werden durch die Luft gezogen und singen dazu, sie singen in den Lüften, wie diese Frau, die sehr laut singen kann, und das zusätzlich noch verstärkt, damit wirklich jeder es hört, also grundsätzlich: Wir würden solche Frauen brauchen, wir würden noch mehr Frauen brauchen, aber keine wird so sein wie die Atemlose, die immerhin noch viel mehr Luft hat als wir; Frauen, die so singen können und die Menge dann umleiten, während sie noch offenen Mundes staunt, das wärs, vielleicht sollten wir die überfüllten Bahnsteige, die sehr gefährlich sind, vielleicht sollten wir die Bahnsteige mit ihr beschallen und berauchen, nein, rauchen dürfen Sie hier nicht, das ist ein Verbot hier, das gilt. Die soll woandershin, wer?, na die, es muß aber nicht unbedingt genau diese sein, aber singen sollte sie schon können. Ja, es wäre gut, wenn singende Frauen das bewerkstelligen könnten, daß die woandershin gehen, wo es Klos gibt, die stellen wir ihnen nämlich nicht zur Verfügung, denn sobald das Riesenhafte der Planung uns überfordert, planen wir überhaupt nicht mehr, gelt, ja? Und in Serbien plant keiner irgendwas, wer will dort schon hin? Gelt. Wir stellen also die Planung ein.

Diese riesige Menge an Menschen, durch die wird das Riesenhafte zu einer eigenen Qualität, glaube ich, was wieder der Qualität dieser Menschen Hohn spricht, sie haben keine. Diese Menge rückt hierhin, weil man es ihr gesagt hat, dann dorthin, weil man ihr was andres gesagt hat, dann bleibt sie wieder stehen, es geht nichts weiter, hier geht nichts weiter und dort, wo sie angekommen sind, auch nichts, und die Kinder spielen zu Füßen der Soldaten mit Steinen. Die liegen schon seit einer Ewigkeit hier, wie der Name des Herrn, der bleibet in Ewigkeit, der bleibt bei uns. Die Flüchtigen haben einen andren Herrn, den nehmen sie mit, wenn sie gehen. Es leiht selbst im Krieg Flüchtlingen in qualvoller Not der Altar Schutz, wo Scheu vor Göttern herrscht. Ja, und? Die Ungarn haben keine Scheu, und jetzt haben sie auch keinen Durchgang mehr, und bald werden sie noch einen Zaun haben, einen ganz neuen, den sie gerade erbauen. Die Leute sollen woandershin gehen, und es gibt viele andre Länder, auf die Menschen verteilt werden, aber es nehmen nicht alle diese Fremden, diese Verlorenen auf, zumindest die, die sie gefunden haben, als unberechenbare Schilde ihre Smartphones vor sich hinhaltend, die ihnen öfter was Falsches sagen, genau wie wir. Das sind Menschen genau wie wir. Das sind Telefone, wie wir sie haben. Nein, dieses Land ist nicht Australien. Deutschland ist dort drüben, über der grünen Grenze, die Sie aber nicht finden werden, weil sie grün nicht mehr ist. Es kümmert sie nicht, ich meine, die Länder kümmert es nicht, was diese Menschen alles können. Wer braucht das schon! Bitte, sie haben vielleicht Qualitäten, die könnten zur Geltung gebracht werden, aber die hat jetzt schon Mercedes eingestrichen, und sogar deren Maß ist bereits gestrichen voll. Mehr Menschen können wir nicht brauchen. Mehr benötigen wir nicht. Mehr sind nicht nötig. Mehr Menschen kann niemand brauchen. Wir haben schon genug. Wir haben genug von ihnen, das sage ich an dieser Stelle immer. Wenn Sie sich für mich interessieren, wissen Sie das, das ist die Wahrheit meines Geistes, der sehr klein ist.

Die Leere wird zerdehnt, bis sie schreit, und dann wird sie endlich aufgefüllt. Und sie ist immer noch nicht zufrieden. Lassen Sie mich helfen, diese Leere zu dehnen, damit mehr Menschen hineingehen, doch es geht nicht. Diese Leere ist schon voll. Alles ist voll. Alles ist übervoll, so viele, so viele, sie mögen eine ausgezeichnete Art haben, na ja, ihre Art vielleicht schon, aber jetzt sind sie nur ausgezehrt, erst einmal essen, danke, das bekommen sie, sie bekommen auch zu trinken und eine Isomatte oder einen Schlafsack. Sie bekommen ja, was sie benötigen, wenn auch nicht sofort. Nur Geduld! Wenns weiter nichts ist. Wir müssen nämlich weiter. Nein, Betten haben wir derzeit keine, die sind im schwedischen Bettenlager, unerreichbar, aber etwas Boden hätten wir noch vorrätig. Boden haben wir heute im Sonderangebot, nur Geduld, morgen wird auch noch genug davon da sein. Jede riesige Menge von Menschen ist nicht nur verschieden groß zu anderen Mengen von etwas, sie erfindet sich auch ihren eigenen Begriff von Größe. Diese Menschenmenge ist mir einfach zu groß, und nicht nur mir, haben Sie nicht eine kleinere? Für eine kleinere hätte vielleicht sogar Ungarn Mobilklos. Wenn sie nur kleiner wäre, die Menge, wenn sie nur weniger wären, die Menschen, dann hätten sie wenigstens Spaß an ihren Ausscheidungen, die könnten ihnen viel ersetzen, sie könnten ihnen Vater und Mutter ersetzen, denn von der Sexualbetätigung des Kindes zum Beispiel kann man viel lernen. Die Lippen, die saugen Essen, falls sie etwas kriegen, für andere Zonen muß dieser Genuß durch Muskelaktionen ersetzt werden. Und das schafft dieses Problem: Wohin damit, wenn man kein Kind ist, sondern nur normal klein, ein unbedeutendes Glied in einer riesigen Schar, und auch das Glied kann da nicht viel machen. Es kann genitale Reizbarkeit fürs Leben zurückbleiben, wenn die Ausscheidung ihren Ort nicht findet, Ihre Sorgen möcht ich haben!, und beim Kind will sie den Ort nicht, das Kind will die Reizbarkeit der Afterzone ausnützen, das sage ich Ihnen, falls Sie keine Kinder haben, ich habe auch keine, aber ich habe nachgelesen, was mit ihnen passiert. Ja, das macht es gern, das Kind, vielleicht macht es auch diese Dreijährige, welche abhanden kam und hoffentlich bereits wiedergefunden wurde, obwohl ein Mädchen, ist sie doch auch was wert und hat genitale Bedürfnisse. Es will diese Massen, die da drängen, zurückhalten, das Kind, Sie können das gern nachlesen, Sie werden dann auch nichts anderes wissen als ich, zurückhalten, damit es den starken Reiz auf Schleimhäute genießen kann, das ist eine schöne Betätigung für unsere Kleinen und Kleinsten, aber was machen die Großen, wenn sie keinen Ort haben und die Funktion der Entleerung verhindert wird, nachdem sie schon von allem, was sie hatten, entleert sind, befreit sind, von Haus, Wohnung, Geschäft, Familie, Verwandten, Freunden, was machen unsere Großen hier in Ungarn? Sie haben diese Route genommen, da hatten sie recht, bisher recht, ab heute nicht mehr. Morgen werde ich Ihnen vielleicht nicht mehr sagen können, wer recht hat, da wird eine neue Route eingetrampelt werden, um der Schutzflehenden Zeichen zu tragen, ein Trampelpfad, den sie harmlos, aber gereizten Sinns entlangziehen werden. Ein neuer Pfad, und von des Boten in ihrem Gerät, von des Boten Wort, was wo ist, wie sollen die sich denn hier auskennen?, von des auf elektronischen Schwingen daherfliegenden Boten Wort in ihren Händen belehrt, ziehen sie jetzt dort entlang und kommen wohin, Moment, ich muß nachschauen, dann wird es Kroatien oder Slowenien sein oder beides, aber heute noch nicht.

Es fängt heute erst an, daß sie woandershin gehen. Aber heute ist nicht mehr gestern, und gestern war folgendes wahr: Da fängt es schon mal an, ich meine, da hat es gestern schon mal angefangen, Moment, ich komm mit mir nicht so schnell mit, aber diese Menschen müssen schnell sein beim Umdenken und Planen, doch ihr Gerät ist schneller, das muß es sein, denn wer sollte ihnen sonst sagen, welche Straße sie ziehen müssen, die sie sich erst eintreten müssen wie einen Span, und jetzt ist es schon ein breiter Weg, mit weißumwundenen, der Schutzflehenden Zeichen, refugees welcome!, aber vorher noch einen Blick aufs Display, das sagt was auf, das sagt was andres an, denn Ungarn will sie nicht, Ungarn ist selbst ein Darm, der sich dieser herrenlosen Menschen entledigen will. Wer soll das verdauen? Ich frage Sie. Ob mit oder ohne Lust, es geht nicht. Dieses Land sagt: Alles muß raus. Dagegen ist sogar die Kirche machtlos. Alles muß raus. Das sagt das Kind zu seinem Darm nicht, denn dort will es alles so lang wie möglich behalten, seine Scheiße sind sein erstes Geschenk, mehr hat es nicht, das Kind, es ist ein Geschenk, dessen Verweigerung den Trotz des Kindes gegen seine Umgebung ausdrückt. Doch wer will den Trotz all dieser Erwachsenen? Da gibt es kein Ziel, für die gibt es nur diesen Weg, den sie selber getreten haben, nachdem sie von einer ungarischen Kamerafrau getreten wurden, ach nein, das waren nur ein, zwei Leute plus dazugehörigen Kindern, die haben schon Schlimmeres erlebt. Er muß nicht einmal gebrochen werden, dieser Zorn, das ist gar nicht nötig. Den will nun wirklich keiner, und daher wird er im Keim erstickt. Er findet ja kein Ziel, welches Ziel sollte das sein?, auch wenn der Trotzige alles verloren hat, wohin soll er das leiten, das er nicht unendlich lang bei sich behalten kann? Irgendwann muß es einfach raus, es hilft nichts, es würde helfen: das Mobilklo. Willkommen, kleine blaue Freunde, da seid ihr ja, in Reih und Glied, so diszipliniert stellen sich Menschen nie an, diese aber schon, was bleibt ihnen übrig, sie müssen sich anstellen, um in diese Häuschen hineinzukommen. Für das Geringste müssen sie sich anstellen, das ist das wenigste! Sie sollen froh sein, daß es nicht schlimmer ist. Das haben wir hier nicht, hier finden Sie kein Dixi vor, eine ganze blaue Schar, eine Kohorte von diesen Dixis würde nicht reichen, die nicht schildgedeckte und nicht speerschüttelnde Menge, die nicht Speer, nicht Schild hat, also nicht das echte, harte Zeug zum Kämpfen, aufzunehmen, für eine kurze Zeit der Einkehr, nein, der Auskehr, nicht einmal dazu können sie aufgenommen werden.

Wie soll er sich also ausdrücken, der zornige, stürmische Dränger, wenn er nichts hat als das, was in ihm steckt? Was in diesem Menschen steckt, interessiert keinen, es ist schon zuviel, daß er überhaupt da ist. Nicht einmal seine Scheiße herauslassen kann er, nachdem er sie endlos zurückgehalten hat? Und diese Frau mit dem roten Fleck in der Hose? Die schämt sich doch! Das Kind kennt keine Scham, doch diese Frau schämt sich. Sie sitzt am Straßenrand und blutet. Sowas fällt auch nur erwachsenen Frauen ein! Und was der dort drüben einfällt, ein Gewitter zieht auch auf und entlädt sich ebenfalls, und auf gehts nun schleunigst, der Bus steht schon wartend da, und die Frau will den Bus natürlich nicht versäumen, so lang hat sie auf ihn gewartet, Achtung, Eilmeldung! Und die kriegt da einfach so ein Kind, sowas fällt auch nur erwachsenen Frauen ein. Gut. Sie wird ins Spital gebracht, mal sehn, ob ich was über ihr Befinden erfahre, im Spital wird ihr schon nichts passieren. Und ich sitze hier schon so lang, ich sitze und sitze, und ich weiß doch, wie ungesund das für erwachsene Frauen ist, das Sitzen, da können Sie jeden fragen. Ich werde daran sterben, daß ich hier sitze, aber noch nicht jetzt, das kann noch dauern, danke, im Moment geht es ihr gut, dieser Frau, ja, mir auch. Schauen wir mal, was die Menge macht, was diese Menschen da in der Menge machen. Sie besteigen Busse, um eine Frau reduziert, die nun im Spital ist und zwei Personen geworden ist, aus eins mach zwei. Sonst machen sie, was man ihnen sagt, diese Menschen, oder sie brechen eben ganz alleine auf, wenn der Zug nicht kommt oder eine Stunde Verspätung hat, so lange wollen sie nicht warten. Sie brechen auf, in ihrer Stimme liegt nichts von einem dreisten Ton, sie wissen, daß sie sich beherrschen müssen, sonst sperren die Ungarn sie noch ein. Sie wollen ihren Platz nicht verlieren, dabei haben sie ihn längst nicht mehr.

Über diesen Zaun geht gar nichts mehr, aber wenn der für Sie schon hoch ist, haben Sie die Zäune in Bulgarien und Griechenland nicht gesehen!, trotzdem, benutzen Sie bitte den regulären Übergang, und benutzen Sie vor allem bitte nicht die irreguläre Toilette, die sich Natur nennt, von Natur aber inzwischen weit entfernt ist. Und jetzt? Was machen wir jetzt, wenn wir keine Kinder sind, keine Kinder kriegen und keinen Ort für das haben, was wir durch Essen, falls wir es bekommen, ehrlich erworben haben und durch den Darm gebären, auf die Welt bringen wollen, so schlimm wie eine Geburt ist es nicht, eher im Gegenteil, aber raus muß es trotzdem, und für dieses Endprodukt, für das, was aus geschenkten Speisen wird, ist dann niemand zuständig, da ist nichts und niemand, das ist ein loses Ende, was macht der Mensch, der die Enden nicht zusammenknüpfen kann, sonst müßte er seinen Mund mit seinem Arsch verbinden, in einer Art Kurzschluß. Tja, Geld, Scheiße und: Das Wort. Wenn wir uns diese drei ersparen könnten, wäre es fein, doch wir haben eben keine Ersparnisse und machen keine. Mobiltelefone haben sie ja, die Schutzsuchenden, aber der Körper will doch auch selbst entscheiden und ausscheiden, oje, diese beiden amerikanischen Studenten halten sich schon Taschentücher gegen den Gestank vors Gesicht. Seien wir ehrlich, dieser Gestank ist wirklich nicht auszuhalten. Es gibt vorgefertigte Masken dafür, die tragen die Polizisten in Ungarn, ich glaube, die sind nicht gegen Infektionen, die sind gegen den Gestank. Da sehen, dort riechen sie ein Tun, das sein Ziel nicht kennt, also kennen schon, bloß: wohin? Es wäre besser, sie würden ihr Ziel noch besser kennen, das sollten sie, und wohin damit, wohin mit dem Gestank, wohin mit allem, auch dem, was gar nicht da ist?

Wo die Telefone hingehören, wissen wir: zuerst auf die Ladestationen und dann ans Ohr und wieder retour. Aber wohin mit den Körpern, die ja dazugehören zu den Telefonen? Keiner ist mehr ohne Telefon denkbar, an ihren Telefonen sollt ihr sie erkennen. Wenn die Flucht blutschuldfrei sein soll, dann braucht man wenigstens ein Telefon, das einem sagt, wann, wohin und wie. Ihre Scheiße würden sie wiederum gerne loswerden, die Fluchtbeladenen, ohne dieses Loslassen geht es nämlich nicht, sonst würde der Mensch zerplatzen. Was rede ich da? Die will keiner, das ist meiner langen Rede kurzer Sinn; es gibt keinen Ort, es gibt für nichts einen Ort, Pardon, hier ist soeben eine Halle geöffnet worden, dort Militärzelte, dort drüben haben wir den Wartesaal für Fahrräder für sie aufgesperrt, die Fahrräder sollen gefälligst woanders warten; viele, nein, nicht viele Fahrräder, die ihre Stelle eingenommen haben, ihren Platz, viele haben schon Durchfall, wohin damit, einmal hierhin, einmal dorthin? Wie diese Leute mit ihrer eigenen Qualität umspringen, ist erschütternd. Wir könnten das besser, tun es aber nicht. Wir hüpfen und springen woanders, wir laufen, wo grade ein Marathon stattfindet. So viele sind es, die hier lagern und ruhen oder es versuchen, soviel hätten sie zu geben und haben nicht einmal einen stillen Ort, wo es hineinfließen kann und wo sie selbst zur Ruhe kommen können dabei. Ich habe meinen eigenen Begriff von Größe, doch hier versagt er, mein eigener Begriff reicht nicht für diese Masse. Ich habe auch meinen eigenen Begriff von Schönheit, den Sie an meinem Gesicht ablesen können, noch!, lang wirds nicht halten, so wie Ungarn die Menschen nicht mehr halten kann und will, soviel Eitles zeige ich auf meiner Stirn, also dort, wo die Augenbrauen sind, dort male ich schon kräftig herum und schmücke mein Antlitz mit Farbe, in meinem Auge keine Ruh, es huscht mein Blick rastlos umher, ob ich auch schön genug bin, um ins Freie zu gehn, und wenns nur der Supermarkt ist. Ich werde gern vorlaut, ich bin nicht zögernd. Wenn ich schreibe, darf ich alles und nütze das auch aus, wer sollte mir was tun?

Euch aber, ihr Flüchtigen, euch rate ich das nicht, da ihr fremd und landflüchtig seid, ein keckes Mundwerk sollten die Schwächeren sich abschminken, bevor sie es losrattern lassen, ich werde mich erst nachher abschminken, nachdem die Menschen mich gesehen haben werden. Aber ich bin ja nur eine allein, da darf ich leicht etwas, das andre nicht dürfen. Wenn man Erbarmen von Fremden möchte, sollte man nicht laut sein, aber auch nicht zu leise, daß man womöglich nicht gehört und erhört wird. Man soll einfach sein, man soll: einfach sein, was bleibt einem übrig. Es bliebe vieles übrig, doch das sollte man nicht aufheben, das sollte man sich aufheben.

Die Masse ist riesenhaft, sie ist zu riesiger Größe angewachsen, aber anwachsen darf sie hier nicht, sie darf hier nicht Wurzeln schlagen; und das scheinbar für sie zu Planende, Berechnende, also ich meine die ganzen Einrichtungen, die sie brauchen, an der Spitze Essen, Schlafen, Bildung, Scheißen, diese ganzen Einrichtungen zur Sicherung, die sprengen meinen Begriff von Berechnung, ich kann eh nicht gut rechnen, aber das sprengt meinen Verstand, und das zu Berechnende wird unberechenbar. Und das zu Sagende wird unsagbar, also ich kann es nicht sagen, ich sollte es können, aber ich kann nicht. Diese ganze Menge wird umgeben von einem unsichtbaren Schatten, einer zweiten Menge, im Verborgenen, ein ungeschlachter, ungestalter Schatten, der geworfen wird, überall dort, wo ihnen das Fressen hingeworfen wird, ihr Fressen durch die Luft fliegt, hoppla, da fliegt sie schon, eine Drohne?, nein, was ist das, eine Semmel ist das, wollen Sie die oder nicht? Ein andrer freut sich darüber, wenn Sie sie nicht wollen. Diese Entscheidung wird Ihnen abgenommen, denn ein andrer fängt sie auf, der war schneller, tut uns leid. Wenn Sie die nächste nicht wollen, nehme ich sie, ja, gern auch die Wasserflasche, die ist sogar noch nützlicher; wenn Sie nicht aufpassen, knallt die Ihnen auf den Kopf! Ihre Scheiße von Ihnen abrinnt, ja merken Sie das denn nicht?, wo bitte soll sie denn hin?, wo wollen Sie die jetzt hintun? Immer haben es alle so eilig, und so wird der Mensch zum Subjekt und die Welt zum Bild, die Eile ist aber nicht der Grund dafür, und was aus diesem Subjekt werden soll, das weiß ich auch nicht, es soll sich hinten anstellen, vielleicht kommt es noch für irgendwas dran, keine Ahnung. Ich weiß nicht, ich weiß nicht, ich kann das nicht mehr überschauen, nicht einmal überblicken, ich kann es nicht, ich kann es nicht. Ich muß aber auch nicht. Ich muß es nicht sagen, ich kann es aufsagen und dann fernsehn oder dahinbrowsen gehn, ich muß gar nichts, ich muß hier sitzen, endlos vor meinem Gerät, was, wie gesagt, gar nicht gut für mich und meinen Körper ist. Und für Sie wärs auch nichts. Wenn Sie nichts wissen, dann halten Sie den Mund, halten Sie endlich den Mund, höre ich, ich sehe noch nicht recht, aus welcher Richtung, ich glaube, es sind viele Richtungen. Wenn Sie das nicht durchschauen, dann schauen Sie halt auf den Bildschirm, ja, auf den großen oder den kleinen, was Sie grad haben, dort sehen Sie das Bild zur Welt, groß oder klein, was Sie grad haben, so, haben Sies gesehn, mehr gibts nicht, und mit dem Bild sind Sie dann allein, das geschieht Ihnen recht, wenn Sie es nicht fassen können, nicht einmal, wenn es klein ist. Was Sie nicht fassen können, das fassen dann wir. Ein Zaun ist schließlich auch eine Art Einfassung. Und die tritt nun in Kraft, bevor ein paar Millionen Ungarn die Fassung verlieren, weil sie dermaßen bedroht werden.

Dieser riesige Raum, diese riesige Menge ist meiner Vorstellung längst entzogen, und sogar das Unberechenbare ist weg, ein andrer hat es schon berechnet, es geht nicht, diese Leute gehen alle, da können alle Uhren stehenbleiben, die aber gehen immer noch, sie ziehen dahin, die Menschen, aber das geht nicht!, sind die Grenzen jetzt offen, sind sie zu, fahren die Züge, fahren sie nicht, ist die Autobahn gesperrt, ist sie es nicht, wird kontrolliert, wird nicht kontrolliert, wird jetzt kontrolliert oder erst in fünf Minuten?, stichprobenartig oder gründlich?, alles unberechenbar, alles mehr, als ich wissen kann, aber nicht mehr, als ich im Radio, im Fernsehn, im kleinen Sozialmarkt in meiner Hand, lesen kann, der ist immer offen, das ist mehr, als ich erfahren konnte und nicht weitergeben muß, denn Sie haben es ja auch genauso gesehn und gehört, ohne es berechnen zu können. Sie müssen jetzt zur Verrechnungsstelle, dort sagt man Ihnen, ob es gut oder schlecht ausgehen wird, ob das gnadenreiche Auge der Finanz, nicht der Hochfinanz natürlich, auf Sie herblicken oder ob Sie noch mehr werden zahlen müssen, was andre noch nicht gezahlt haben. Kommen Sie her, beeilen Sie sich! Schon mittags kann alles anders sein, das macht es ja so schwer für die Dichtung, es reicht ja kaum für ein Foto!, es rinnt überall raus, es rinnt überall die Scheiße raus, in Ungarn, wo sie die Häuschen dafür nicht haben, wo es sie vielleicht gar nicht gibt, doch, es gibt sie, an einigen Orten hab ich sie schon gesehen, natürlich nicht in natur, in der Natur, und schon ist alles anders. Die Züge fahren wieder, aber es wird kontrolliert, dafür sind Sie in Salzburg gestrandet, wurden ungeduldig und gingen zu Fuß weiter, dafür ist dann in Freilassing, wo man Sie aber gewiß freilassen und nicht einsperren wird, Endstation, nein, nicht Endstation, es geht weiter. Trotzdem, man soll irgendwas bereithalten, das bezeugt, wer man ist, es wäre am besten, die Welt würde über ihren derzeitigen Raum hinausragen in eine neue Bestimmtheit, die man mir bestimmt nicht sagen wird, aber ich will ja auch nicht wegfahren, schon gar nicht jetzt, da die Züge so voll sind, eine Bestimmtheit, die man mir nicht bestimmen wird und den Tausenden schon gar nicht, lies keine Oden, mein Sohn, lies die Fahrpläne, die sind genauer, ja, aber genauer als was? Man sagt ihnen nichts, und mir sagt man nur, was ich eben, zuletzt vor einer Viertelstunde, die nächste werde ich nicht mehr abwarten, im Fernsehn und im Radio hören und auf meinem Tablett, auf dem nichts steht oder alles, falls es eingeschaltet ist, sehen kann, man sagt ihnen nichts, mir aber schon, bloß sagt es mir nichts, es ist zuviel, es ist mir zuviel. Am besten wäre es, falls ich einen Vorschlag machen dürfte, sie könnten über den für sie vorgesehenen, ihnen vorbestimmten Raum hinausragen, diese Leute, dann hätten sie endlich Platz, den hätten sie sich dann geschaffen, sie wünschen nicht, Gott nahe hätten sie ihren Sitz, denn dann wären sie tot. Dann hätte das endlich ein Ende, dann würde ihre Bestimmtheit zu etwas Einzigartigem werden, das man aber nicht sieht. Könnte man es sehen, würde man ihnen sofort den Weg freimachen, doch es sind zu viele, keiner von ihnen ist einzig, und keiner ist einzigartig, es sind einfach zu viele, die hier entlangziehen und dort auch und dort erst recht.

Die damals in der Kirche waren, die dort Kirchenasyl verlangt haben, die sind ja gar nichts mehr, die waren nicht einmal ein Anfang. Jetzt spielt die Welt sich ab und dehnt sich in einen für sie nicht vorbestimmten Raum hinaus aus, damit alle hineingehen, damit auch ihre Schatten hineingehen, damit auch ihre Toten hineingehen, die selbst zu Schatten wurden, über die die Lebenden dann hinwegeilen, Rücksicht können sie nicht nehmen, sie müssen auf ihre eigene Bestimmtheit achten, die wir für sie bestimmen, aber sie müssen es doch erfahren, und dann müssen wir ihnen ihre Bestimmung mitteilen, die mit ihren Zielen oft nicht übereinstimmt! Da können wir leider nichts machen. Sie müssen es auf Ihren Google Maps abfragen, die Ihnen Ihre Verwandten schicken, welche bereits in Schweden sind, die kennen Ihren Standort, das macht das GPS, und von diesem Ort aus kann man sich auf mehreren Routen verschicken lassen, das können Sie alles eingeben, was wollen Sie, welches Verkehrsmittel nehmen Sie, und das möchten Sie für Ihren Zielort berechnet bekommen, Sie verschicken also immer automatisch die neuesten Standpunkte, das Gerät weiß immer, wo Sie sind, außer es ist ein veraltetes Gerät, dann müssen Sie es eingeben, dann müssen Sie es ihm sagen; Ihre Mutter in Syrien weiß es nicht, doch das Gerät weiß es genau, und dann suchen die dort in Schweden, die sich bereits am besten Ort befinden, den passenden Weg für Sie aus, schnellster Weg, keine Staus, kein Wochenendverkehr, die besten Wege werden von denen gesucht, welche bereits dort und in Sicherheit sind. So geht das hin und her, weil Sie sich eben hin- und herbewegen. Alles wird woanders bestimmt. So endet es. Und dann geht es wieder weiter. Vielleicht müssen Sie warten. Sie und all die anderen, die mit Ihnen gehn.

Nicht einmal ihre Schatten deuten ihnen, wohin sie sollen, die Schatten gibt ihnen die Sonne, doch wo sie sind, das sagen ihnen handgemalte Ortsschilder, nein, die nehmen so Schablonen dafür, glaub ich, und die geben sie dann nach Schweden ein, die Namen der Orte, nach Schweden hinüber, und von Schweden kommen ihnen die Wegweiser zurück, wie sie denen entkommen können, die sie wegweisen wollen, Entschuldigung, das war billig, ist aber wahr. Billig, aber wahr, sogar Sie könnten es sich leisten. Diese Masse an Menschen wird nicht einmal erfahren, was ihnen verweigert wird. Das, was oft und gern verweigert wird, sind, ich sagte es schon, diese Klohäuschen, die habens mir einfach angetan, die tun mir nichts, die tun niemand etwas, Sie wundern sich vielleicht, wieso ich vom Klo so besessen bin, nun, weil ich so oft drauf sitze, darum, und die Ungarn verweigern sie den Menschen, die ihre Ausscheidungen gern kontrollieren würden, aber das Endspiel immer verpassen. Die Klos stehen nie dort, wo die Menschen sind, und da fängt es schon einmal an, und da endet es auch. Vorne geht es rein, hinten kommen die Menschen wieder raus, und es kommt aus ihnen heraus, bitte, wo soll das denn hin? Sehen Sie, hier ist so gut wie dort. Diese Flucht, glauben Sie, es stimmt, daß die aus Demut, gemischt mit Überheblichkeit kommt? Ist es das, warum ihnen alles verweigert wird? Ist er grade jetzt, der geschichtliche Augenblick, der ihnen gehört und diesem Gott, dem Sonnengott, der auch ein Flüchtling vom Himmel ist, er kennt diese Schicksale, will sie aber nicht teilen, der will mit seinem schnellen Wagen alleine fahren, es ist ein Zweisitzer, aber er fährt allein, er fährt über den Himmel, er kennt sein Schicksal und das Los der Menschen, das Los der Menschen, ja, deshalb wollen so viele sie loswerden, die Menschen, wenn sie zu viele werden und wenn es uns zuviel wird.

Und der Boden, wo sie sich aufhalten, sie haben ja nur diesen? Habe ich ihn etwa durch exzessives Hinschmieren von Abfall, überall Abfall, Dreck, Schuhe, Anoraks, Mützen von Verstorbenen, die ich herbeibeschwöre, obwohl ich nicht schwören sollte, ich weiß ja nichts, habe ich den Boden jetzt etwa verdorben?, aber das war es doch schon vorher: verdorben? Durch Hinschmieren von Verdorbenen, Verlorenen oder durch das Bloßstellen von Verstorbenen können Sie gut auf sich aufmerksam machen, Sie sind doch auch wer, Sie haben dieses Foto selbst geschossen und eingestellt, und jetzt arbeitet es für Sie! Entscheiden Sie sich, ob Sie es veröffentlichen wollen, wenn nicht, macht es auch nichts, es hat keine Folgen wie dieses Stück vielleicht schon. Nein. Keine Angst! Null Folgen. Es gibt nur diese eine. Ich glaube, mehr wird mir nicht einfallen. Es fallen zuviele Menschen hier ein, die kann ich nicht fassen, ich nehm sie gern auf zu uns ins Land, aber was kann ich schon tun? Ich teile nicht einmal mein Haus, nicht einmal mit Freunden. Ich teile nicht, ich teile nur aus, hab ich das nicht schon irgendwo gesagt? Mit Sicherheit, aber die gibt nur der Tod, zu mir kommt er schon bald, da bin ich mir sicher. Habt acht, ihr werdet mich nicht mehr oft hören, und dann müßt ihr selbst die Antwort geben, nicht auf meine Art, auf eure. Schaut her und sagt selber was dazu, sagt, was ihr jetzt vorhabt, was macht ihr heute abend? Feindlichen Blutsverwandten aus dem Weg gehn? Das ist kein Problem. Ihr sagt einfach, ihr habt heute keine Zeit und aus. Aber diese Menschen lassen sich ja nichts sagen, nicht Ihre Verwandten, diese Fremden meine ich. Diese Menschen sind über die Ufer getreten, sie sind da, sie sind da, sie sind fremd, und sie sind dazwischen, nein, das Dazwischen ist der Bildschirm, dort schaue ich sie mir an, auf dem großen oder dem kleinen Schirm, sich selber zu behüten ist besser, als Freunde zu treffen. Der Schirm, gestern beim Gewitter hätten wir ihn brauchen können, hat sich dazwischengeschoben, hat nicht gefragt, ich kann nichts dafür. Es ist keine Zeit. Das Kind ist tot. Das andre ist soeben geboren. Es ist keine Zeit, um am kalten Gestade zu verweilen. Das Foto ist gemacht, es wird der Welt gezeigt und aus. Grade nur einer, ein kleiner Bub. Was ist das schon.

Keine Antwort. In diesen Minuten wird schon wieder was eingeführt, keine Ahnung, was. Der derzeitige Zustrom muß begrenzt werden, nein, die Donau können Sie nicht begrenzen, gut, links und rechts schon, das muß sein, sonst wäre sie das Meer, aber in ihrem Lauf können Sie sie nicht aufhalten, die strömt nur so dahin, das steht fest. Die Seele, ach ja, mag sich schwingen, wohin sie will, wir schwingen uns über diesen Zaun, obwohl er als unüberwindlich gedacht ist, wir nützen jede Lücke, wir können auch kriechen, wir werfen eine Decke drüber, damit er uns nicht zerreißt, der Zaun, nein, der zerreißt nicht, der zerfetzt eher uns, wer weiß, wie lange es sie noch gibt, die natürlichen Durchschlupfe. Und heute gibt es sie schon nicht mehr, und sie haben deswegen schon vierzehn Leute verhaftet und werden sie einsperren, bald mehr. Was sagt Europa? Europa sagt nichts, es sagt uns nichts, wir haben es gegründet, doch wir haben über dieses Geschöpf leider keine Kontrolle mehr, einer muß dort über diese Verbrechen Gericht halten, doch es tut keiner. Der Totengott? Ist da einer? Und wenn ja, welcher? Anubis, der Schakal, der Totes frißt? Also den kennt nun jeder. Nehmen wir einen, der nicht so bekannt ist: Thot? Kontrolliert das Gewicht der Herzen und notiert das Ergebnis. Was sagen Sie? Der hält über die Verbrechen Gericht, ich weiß jetzt nicht, wie er heißt, na ja, Thot, ich sagte es ja, wer soll das sein?, aber wer richtet die Lebenden? Das macht er angeblich auch. Und überhaupt, wie sprech ich zu Ihnen, sagt ratlos dieser oder jener Gott, es ist egal. Diese Lücke im Zaun wird vielleicht woanders wieder auftauchen, nein, das ist eine andre, wer weiß, wie lange die sich wieder hält. Wir müssen sie nützen. Der Betrieb. Das Verfahren. Die Zuständigkeit, aber nicht für die Zustände, wir meinen den Ort, für den Deutschland in den meisten Fällen gar nicht zuständig ist. Die nationalen Vorgaben, die nationalen Angaben, die nationale Angeberei. Es sind so viele, die müssen akzeptieren, daß sie es sich nicht aussuchen können, wo sie Schutz suchen wollen, unsere Hilfsbereitschaft darf nämlich nicht überstrapaziert werden, nein, nein, das ist wahr, weil es hier steht, sonst wüßte ich es nicht. Es soll etwas wieder eingeführt werden, was wir schon einmal ausgeführt haben, die Grenzkontrollen, damit nicht alles eingeführt wird, was wir nicht brauchen können, was auch Mercedes nicht brauchen kann, der Stern, der die Menschen gerecht in brauchbare und unbrauchbare einteilt. Es wird eine Herkunft ermittelt, doch die weiß gar nicht, wo sie herkommt. Die Grenzkontrolle findet das alles heraus, ihr muß man Rede und Antwort stehen. So viele falsche Syrer auf einem Fleck hat kein sterbliches Auge je gesehen. Es ist auch egal, die lügt sicher, die Frau, ja, der Mann dort auch, die lügen ja alle. Sie sprechen die falsche Sprache. Es sind zu viele, wir können sie nicht mehr kontrollieren. Der Hort der Flucht wird verlagert, hier ist er nicht mehr, suchen Sie ihn selbst. Das haben Sie sich nicht so vorgestellt, als Sie zu Schiff aufbrachen, nicht wahr, nicht wahr, vielleicht liegt das daran, daß das ein Schiff nicht war, nicht einmal ein Boot, ein Luftboot, ein Schlauchboot, ein Stich, und weg ist es. Der Schlepper springt in seiner Badehose raus, nein, nicht aus ihr, er schwimmt davon, und weg ist er. Es liegt nicht daran, daß Blutschuld Sie in die Verbannung trieb, doch, doch, die Blutschuld war es, egal, was Sie sagen, ach, das war nicht Ihre?, macht auch nichts!, und wir schulden noch jede Menge mehr Blut, diese Schuld ist nicht abzutragen. Durch des Stadtvolks beschließendes Urteil muß etwas gemacht werden, ich schreibe es gar nicht erst hin, was, denn des Stadtvolks Herren werden in einer Stunde schon wieder was andres beschlossen haben. Welche Frau welchen Mann verschmäht, wer sein Kind verloren hat, wer es grade verliert, wer grade eins bekommt, noch dazu bei einem heftigen Gewitter, das Wort heftig gehört zum Gewitter wie das Wort schwer zur Strafe, das ist alles eins, das ist alles eins. Manchmal sind es auch viele. Mir erscheinen die schon längst mehr als alle. Wie Geistererscheinungen, die lassen sich auch mit nichts vergleichen, das erscheint. Die Leute fliehen ungesäumt, sie haben also nicht einmal Zeit, ihre Kleidung vorher zu säumen, macht nichts, die ist ihnen eh geschenkt worden, da war der Saum schon vorher drin; nein, nicht der Saum des Meeres, dort liegen die Toten, falls sie es überhaupt dorthin schaffen. In was für ein Land also können sie ziehen? Ich weiß es nicht. Gestern waren es Deutschland und Schweden, wer es heute ist, das weiß ich nicht.

Diese Stadt hier, dieses Land dort, die Gräber, in denen sie schon so lang hausen, der Dreck, den sie wegschmeißen, diese Ecke, in die sie scheißen, dieser Fuß auf dem Grund. Auf welchem Grund? Ist das etwa Ihrer? Entschuldigen Sie bitte, dann suche ich mir einen andern Grund für mein raschruderndes Fahrzeug, lassen Sie mich durch, ich bin sein Hilfsmotor, irgendwas muß ihnen doch helfen!, nein, der Grund ist für mich selbst, ein Fahrzeug habe ich nicht mehr, es hat mich freilich hergebracht, doch jetzt muß ich alleine weiterkommen. Mich schickt das Meer, und da hab ich noch Glück gehabt. Der Wirbelsturm, Donner und Blitz, der regenschwangere Orkan, die heulende Wut, mit der wir der Salzflut begegneten, nur um Ihnen endlich hier begegnen zu können, denen wir niemals begegnen wollten, alles vorbei, dreiundzwanzig, nein, ich höre grad siebenundzwanzig, macht nichts, es wird die Zahl dreiundzwanzig auch auf irgendwas zutreffen, siebenundzwanzig von uns sind zwar tot, sind ausgefallen, wurden ausgefällt, die zählen gar nicht; wir aber, wir bemächtigen uns jedes Betts, das wir kriegen können, denn das Meer verläßt seines um unsretwillen ganz bestimmt nicht. Trockene Windeln fürs Meer gibts nicht. Und wir besteigen, trotz Ihrer Weigerung, jetzt diesen Zug, aber sie werden uns wieder rausholen, das sehen wir schon, gleich hinter der Grenze, falls wir überhaupt soweit kommen. Unser Gott soll unser Retter sein, aber Sie mögen den auch nicht, Sie mögen nichts, das sehen wir schon. Wir nennen also den Namen von unserem Gott, wir rufen ihn an, wir haben das Mobiltelefon mitgebracht, wir rufen zu ihm, auf Ihrem blumigen Grund, auf dem nichts mehr wachsen wird, nachdem wir wieder von ihm aufgestanden sein werden, wir denken an unseren Stammvater, an unsere Stammutter. Wir treten vor die Bewohner dieses Landes, aber wir wollen nach Deutschland oder Schweden. Glaubhaft ist das vielleicht nicht, das heißt, unser Wunsch schon, aber daß wir je dorthin kommen, das glauben wir nicht, das hoffen wir nur. Was überhaupt noch glaubhaft ist, das wird später enthüllt werden, morgen, wenn wir die neuen Vorschriften kennen und die Zeit das Gesagte zerfetzt haben wird, dann werden es auch wir erfahren. Dann werden uns die Laute unserer Mobiltelefone ins Ohr brüllen, wir verstehen den Ruf, wir deuten den Flug der Landkarten auf den Displays, immer eine neue, je nachdem, so rasen sie dahin, wie der Falke jagt die Nachtigall. Von unsres Landes Hainen, von unsres Stromes Ufern verjagt, jammern wir nach einem neuen Heim, kein Wunder, daß Sie es nicht mehr hören können. Heute können Sie es noch, aber morgen wird es sogar Ihnen zuviel werden. Dafür sind wir selbst geschlagen. So müssen Sie es nicht mehr tun, das Schlagen. Das immerhin können wir Ihnen abnehmen. Alles, was über unser unmittelbares Dasein hinausgeht, das können wir Ihnen abnehmen. Bald werden Sie es nämlich nicht mehr können. Der Fortgang unserer Ziele ist unaufhaltsam, ach, wären wir bloß schon dort, wo die Ziele sind! Bis dahin werden die Ziele weitergegangen sein als wir, Sie werden es erleben, wir leider auch. Das Ziel wird dort sein, wo wir nicht mehr über uns selbst hinausgehen müssen, wo es sich selbst findet und der Begriff Deutschland dem Ziel Deutschland entspricht und der Begriff Schweden dem Ziel Schweden. Unser Fortgang dorthin ist unaufhaltsam, da können Sie kontrollieren, soviel Sie wollen, es wird sich immer auf unser natürliches Leben beschränken, und mehr können Sie nicht kontrollieren. Wenn wir in den Tod hinausgerissen werden, können Sie es nicht mehr beeinflussen. Dazu sind Sie zu beschränkt, ja, und da ist schon wieder so ein Schranken. Wir steigen oben drüber oder kriechen unten durch, und weiter gehts, das Hinausgehen über den Schranken, schon haben wir ihn hinter uns, und die Leere endigt, oder eine neue beginnt. Wir werden ja sehn.

 

Das Übliche, wie vorhin. Dazu noch eine Prise Freud. Na, den haben wir noch gebraucht! 

 

 



Handyaufnahme vom 11.9.2015 im Auffanglager Röszke

18.9.2015


Die Schutzbefohlenen, Appendix © 2015 Elfriede Jelinek

 

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