Die Schutzbefohlenen. Europas Wehr. Jetzt staut es sich aber sehr!

(Epilog auf dem Boden)

Sie befinden sich derzeit im abgetrennten Absprungbereich der Herde, doch wo sie herkommt, hat nichts zu bedeuten, wo sie ankommt, das zählt. Hier auf dem Schild: Germany, damit die Menschen nicht unterwegs im erstbesten Volkswagen-Showroom verlorengehen. Das ist aber faktisch unmöglich, denn es gibt gar keinen Ausweg, auch nicht für dieses Auto, für das sehen wir gar keinen Weg mehr, auch keinen anderen, und wir zeigen diesen Menschen also ständig die Grenzen, damit sie nicht drüberfahren, das Smartphone zeigt sie ihnen auch, sie können also gar nicht abweichen, hier die Autobahn, dort eine Böschung samt Bahnlinie, dazwischen können Sie durch, ein Daneben gibt es nicht. Es ist ohnehin der Sprung, der zählt, in die Geschichte, der Sprung in die Geschichte, jawohl, die immer ein willkürliches Konstrukt ist, doch Sie haben ihn nicht gewollt, Sie werden ihn immer nicht gewollt haben. Sie wären gern draußen geblieben, was? Keine Chance. Hat Ihr Gott sich verirrt? Nur keine Sorge, wir finden ihn schon und bringen ihn zum Essen mit. Er ist es ja, der gegessen werden soll. Wer hört denn noch auf Sie?, beachten Sie bitte die Toten, die (in Gottes Namen, sollen sie halt gehen!) vom Erdboden weggewischt wurden wie Flecken! Bitte weitergehen, nicht drängen, nicht schubsen, nicht das Meer austrinken, damit nicht Sie ertrinken müssen! Das wäre übertrieben. So weit fort von der Sonne sind Sie jetzt, tut uns leid, aber alles, was Sie gewohnt sind, können wir Ihnen nicht bieten. Sie können jedoch nicht ins Nichts fallen, die Erde ist an der Sonne befestigt. Sie haben es geschafft, sich zu verrücken, ohne selbst verrückt zu sein, und Sie haben sich dem Strom des Daseins und dann dem Strom des Dortseins anvertraut, wo Sie neuerdings herumstromern. Da hätten Sie sich anderen Gestalten anvertrauen sollen. Sie ziehen hin, Sie ziehen her. Früher warteten hier Taxis, jetzt besorgen wir das selbst, das Warten und den Transport, die neuen Worte und Werte Europas, Warten und Transportiertwerden, zum Beispiel warten hier bereits staubige Autobusse, sehen Sie, die haben so viel durchgemacht, einige von ihnen wollen die Waschstraße gar nicht mehr verlassen. So macht man das, wie?, keine Ahnung, man nimmt Menschen auf und bringt sie weiter, damit ihr Fortkommen gesichert ist, in Gruppen, alles in Gruppen, immer nur die Flüchtenden dürfen durch, wir jedoch müssen hierbleiben, denn wir sind nicht fremd hier, und wir dürfen es nirgends sein, außer wir haben einen Pauschalurlaub gebucht. Dort essen wir, wo wir scheißen. Hier bin ich, und hier bleib ich, hier brunz ich, und hier speib ich, das ist nicht von mir, doch ich habe auch einiges zu bieten. Ein eigenes Klo, man würde es nicht glauben, hätte man es nicht gesehn!

Ich gehöre, nein, das bin ja nicht ich, wir gehören hierher, können uns aber genausowenig bewegen. Die sind hier wie angenagelt. Vor diesem Amt haben sich welche schon fünfmal angestellt, einmal waren sie schon soweit, dann mußten sie wieder den Zweifelsweg beschreiten, ob sie am nächsten Tag drankommen werden. Ziehen Sie eine Nummer, sie wird nicht gewinnen, und Sie werden morgen eine neue brauchen! Lassen Sie sich registrieren, bevor das Kind in diesem Stall zur Welt kommen muß! Diese Wanderung ist sinnlos, hier stranden Sie, auch wenn Sie lebend an einem anderen Strand angekommen sind. Hier ist kein Durchkommen, nicht einmal für die Einheimischen Europas, die ein Recht darauf haben, doch die bleiben zu Hause, damit sie dieses Haus verteidigen können, das tun sie in Schichten, in Doppelschichten oder ganz allein, wenn sich keiner auf sie legen mag, damit ihre Schicht sich in Ruhe bilden kann. Für die Bildung wird auch nicht gesorgt, also nicht für alle, nicht wahr, da müssen Sie sich woanders anstellen und früher aufstehen. Manche haben bisher noch gar nichts erreicht und sind doch seit einer Woche jeden Tag wiedergekommen.

Jetzt sind wir aber noch hier, wo?, ich weiß es nicht, der Zaun hat eine Lücke, die 80 km oder so, nein, ich glaube nur 8 km breit ist, doch, stimmt, es könnten bis zu 80 werden, die Weinbauern hier sind zäh, und ihr Boden ist steil, Zaun kann man sowas nicht mehr nennen. Hier kommen nur die Fremden weiter, weil sie in die entgegengesetzte Richtung wollen, zu uns, während Sie immer nur weg wollen von allem, es wird Ihnen alles zu viel?, denen ist alles zuwenig, weil sie gar nichts haben, das hätten Sie sich nicht gedacht, was? Daß Sie Länder besuchen müssen, denn die dürfen ja nicht zu Ihnen kommen. Suchen Sie einen Fingerzeig, wieso einen Fingerzeig, da sind doch die Schilder, können Sie nicht lesen? Den Fingerzeig können Sie lange suchen, Sie brauchen ihn aber auch nicht, hier fahren Menschen nach Germany, wo die Ämter und die Computerprogramme noch funktionieren, allerdings nur bis 17 Uhr, dann haben sie Hygienekontrolle, ob sich ein Virus eingeschmuggelt hat. Oh, jetzt hab ich mich verfranzt, wir sind noch nicht soweit, ich dachte, wir wären schon dort beim Sachbearbeiter und hätten einen Termin, nein, erst mal gehts vorbei an notbeleuchteten Tankstellen, an denen es nichts mehr gibt, egal, an welcher Not man leidet, und zwar weil die Leute in diese Fahrtrichtung nicht mehr fahren, sie fahren jetzt umgekehrt, vorbei an geschlossenen Puffs für die Notgeilen, denen jetzt Menschen entgegeneilen statt entgegenkommender Frauen, sie haben keinen Zweck mehr, und weiter gehts, leere Straßen in die Gegenrichtung entlang, die früher voll waren von Fußgehern, Radfahrern und Freuden des Lebens. Hier können Sie die abgeschlossene, von künstlich hergestelltem Licht geflutete und längst ertrunkene Stadt sehen und sogar betreten, danach wieder verlassen, das kann nicht ein jeder, wir müssen leider drinnen bleiben, wird gesagt, Hunden ist sowas neu, der Haken vor der Fleischerei ist auch sinnlos, der Laden ist geschlossen. Er wurde vom Bankrott einer landesweiten Supermarktkette nebenbei mitgerissen. Diesmal war es nicht das Meer. Statt dessen dort drüben ein ausgemustertes Volksfestzelt, das als Muster für alles andre genauso dienen kann, für alles, was untergehen kann, zum Beispiel ein ganzes Volk, wenn das so weitergeht, humpa humpa tätärä, denn alles, was untergehen kann, wird auch untergehen, dazu brauchten wir das Meer nämlich nicht, obwohl es sich immer wieder vordrängt, das praktische Grab. Hier aber, hier können die Fremden die Zeltstadt nach Belieben verlassen und ihrem erhofften besseren Geschick nachfahren, irgendein Bus wird sie schon mitnehmen, davor und danach kommen andere, von nächtlichem Dunkel verhüllt. Bevor Sie einem besseren Geschick nachrennen können, nehmen Sie den Bus, anders kommen Sie hier nicht weg.

Es wird Ihnen gesagt, weil Ihnen alles eigens gesagt werden muß: Verlassen Sie diese Zeltstadt bitte in Gruppen, nur Gruppen werden gebildet, nur in Gruppen kommen Sie weiter, nein, keine Gruppen von Gebildeten, oder vielleicht doch? Sind welche drunter? Es nützt ihnen sowieso nichts. Sie können sich gern als Gebildete anmelden, als Putzleute gehen sie wieder raus. Ich werde dieses Gerücht nie vergessen und andre dennoch zur Bildung ermahnen. Dieses Werk werden Sie nie vollenden. Warten und Transportiertwerden, das ist jetzt das Leben, Sie haben es endlich und hier gefunden!, ich gratuliere, den Ausgang sehen Sie ja in diesem Licht, das wir über Sie geworfen haben. Wenn keinem Nebel eingefallen ist, hier einzufallen, können Sie sogar den Zaun sehen, den wir Ihnen eigens hingebaut haben. Beim Drehkreuz können Sie durch, auch wenn Sie Kreuze nicht mögen. Wo Sie jetzt landen werden, das bestimmen wir, Sie können sich nicht mehr verirren, der Zaun lenkt und leitet Sie, nur die Skifahrer, die ihre Touren abgehen im freien Gelände, nur diese Götter sind frei. Die dürfen überall hin, außer sie geraten mit den Pistenbetreibern aneinander, die für ihre Freiheit, jede Freiheit, Bezahlung wünschen. Und ob Sie bei einer hochgradigen, nein, hochrangigen Frau landen werden, das haben andere zu bestimmen, es wird Ihnen aber gelingen, es wird Ihnen erfüllt werden. Sie setzen ihr nach im fliegenden Lauf, und dann haben Sie sie auch schon, während die Schneekanonen toben und brüllen. Nein, bei der Freiheitsstatue werden Sie nicht landen können, da lägen Sie falsch, auch das Meer, auf dem man hinkommt, wäre falsch, und dieses Bild ist Nebel und Schatten. Selbst wenn Sie ein Gott sind, der sich selber abschickt, portofrei, denn Götter lassen ja auch immer andre für sich bezahlen, heißt das noch nicht, daß Sie dort auch ankommen werden. Es muß immer einer für andre zahlen. Kaum wurde Europa mühsam aufgebaut, wird es schon wieder niedergerissen von diesen würdelosen Massen, die sich nicht waschen, weil sie immer, wo sie auch sind, gleich weiter müssen. Nirgends genug Wasser. Es kommen immer andere an, die woanders umkommen würden. Niemand weiß, wie viele. Wie viele sich auf den Weg gemacht haben, aber wohin der Weg führt, das zeigen wir ihnen, hier, das Schild, hier können Sie es ablesen: Germany. Wir bringen Sie gern von A nach B, denn wer A sagt, muß auch B sagen, zum Glück, sonst blieben Sie alle hier. Wir transportieren Sie, wir als Staat, als Vater der Waisen, der verwaisten Grenzübergänge, die erst in der Nacht zum Leben erweckt werden, damit die Bevölkerung keine Bewölkung ihres Wohlbehagens ertragen muß, und tagsüber müssen sich die Geflohenen wahrscheinlich ausruhen. Wir transportieren Sie, wir müden Fährmänner, ja, wir sind selbst schon müde vom Kleidersortieren und Kochen, wir werden immer weniger, doch wir bringen Sie weiter, so weit wir können, und kämen selbst gern weiter, als das Haus der Schwiegereltern zu renovieren. Und da kommen jetzt Sie daher und durchkreuzen unseren Plan, an der reinen Vernunft weiterzuarbeiten! Wir sehen, daß Sie das aus eigener Kraft nicht schaffen werden, vernünftig zu sein, eine Schlange zu bilden, wenn der Termin naht, einen Stau zu vermeiden, wenn die Polizei durch will, und Ihren eigenen Kraftwagen haben Sie auch längst woanders verkaufen müssen, an dem sind sie gehangen, der wäre hier jetzt praktisch, aber der wäre nie mit Ihnen mitgekommen, der ist ja kein Hund, und Sie sind kein Mann der Fleisch- und Wursttheken, dieser Mann ist jetzt nämlich auch pleite, als Lieferant der Supermarktkette hat sich ihm eine Welt eröffnet, jetzt muß er sogar den eigenen Schlachthof schließen, kein Grund zur Freude für das Tier, denn dort drüben steht ein größerer Hof, und die ungelernten Kräfte treffen oft nicht einmal der Tiere Köpfe. Die Aushilfe, die gar nicht helfen will, haut daneben, dann kann einem Tier das Sterben ganz schön lang vorkommen. Manche können nicht einmal mit Essen Geld verdienen, nicht einmal, wenn sie selbst das Essen sind. Hier ist das Fleisch noch richtig lebendig, ich staune. Sie haben vorhin gesagt: Wieso gibt es hier keine Arbeit? Die wurde uns ausdrücklich versprochen, doch vielleicht hat die Frau sich nicht richtig ausgedrückt, so, und diesen Apfel pflücken wir auch noch. Strafe sollen wir dafür zahlen? Dieser Apfel, nein, dieser Satz befand sich aber nicht auf fremdem Grund, sondern auf gar keinem. Der Baum hat niemandem gehört, und der Apfel hat nur ihm gehört. Bloß uns hat wieder mal keiner gehört.

Hier wird niemand angetrieben, die Menschen eilen selbst zum Transport, es kann ihnen gar nicht schnell genug gehen, und wenn sie selbst gehen müßten, sie müssen weiter. Viele fürchten sich und gehen gar nicht mehr aus dem Haus, andre gehen ins Haus und bleiben drin. Beide Wege haben zum Ziel geführt. Die Post, die allen was bringt, während diejenigen, die kommen, immer nur weiter wollen, immer nur nehmen, was man ihnen gibt, die Post wird in Zeiten des E-Handels schließlich auch immer wichtiger, nicht wahr, wer hätte das gedacht, daß der Transport von Waren einmal so wichtig würde, der von Menschen: nicht wichtig, aber oft nötig, gehen Sie so schnell wie möglich an Bord, bevor der Fahrer noch einschläft! Nur seine Zigarette hält ihn noch wach.

Ein Geschick brauchen Sie gar nicht, wohin Sie Ihr Geschick auch schickt, es wird dafür gesorgt, daß Sie hinkommen und es bekommen. Ausgabe von Geschicken dort drüben, wir müssen die ja erst organisieren, die Geschicke müssen wintertauglich gemacht werden; wenn Sie ein noch funktionsfähiges Geschick haben, werfen Sie es nicht voreilig weg, auch wenn es unterwegs naß und schmutzig geworden ist, womöglich ist das neue ja noch schlechter! Dieser Supermarkt hier an der Grenze ist abgesperrt, mit Vorhängeschlössern gesichert, vielleicht ist er ja auch bankrott, das kann man von außen nicht sehen, aber der Name sagt mir was, er spricht von kürzlichem Untergang, wenigstens war der keine lange Agonie. Unsere Busse stehen ab sofort für den Transport bereit und wollen auch nicht lange warten, worauf denn?, hier ist nichts mehr erhältlich, die Tankstellen haben nur noch Sprit, alles andre ist ausverkauft und wird nicht mehr nachbestellt, die Busse wurden zur Verfügung den Menschen da hingestellt, diese brauchen nur noch einzusteigen, außerdem ist es befohlen, anders kommt man hier nicht weg, Sie haben also nicht die Wahl. Was wollen Sie mit dem blöden Stier?, der darf hier nicht einsteigen, hier ist nur für Menschen, wir sind doch kein Viehtransporter, auch wenn wir Menschen genauso behandeln wie die Tiere, wir machen da keinen Unterschied, alles, was lebt und ein Bewußtsein hat, sollte jetzt zur Vernunft zurückkehren und nicht so drängeln, sonst kommen wir mit dem Gas der Tränen, der Würze des Pfeffers und dem Elektrostab. Warum tun die das? Die Schlange verschwindet ja nicht, nur weil die Leute vernünftig sind. Dort bricht schon wieder Gerangel aus, zwei, drei Frauen schreien, das kommt, weil wir unter dieser Menge bereits ersticken, und damit ist niemand geholfen, wenn man in ein dunkles Gewässer schaut und nicht genug Atem dafür hat. Erst mal müssen wir unseren eigenen Zorn bändigen, dann kommt der Stier dran. Aber was wollen Sie machen, der hat die Jungfrau schon gesehen und sich sofort wieder in seiner Herde versteckt, die er aus dem Boden gestampft hat. Jetzt stampft er selbst. Er hat sich eigens verwandeln lassen, damit er für die Jungfrau kein Gott mehr ist. Dazu ist später immer noch Zeit.

Der Gott muß oft viel erdulden, aber es ist immer zu seinem eigenen Besten, er muß sich vieles anhören, in dem er keine Wahrheit erkennen kann, das sind alles willkürliche Behauptungen, nur damit wir uns hier nicht behaupten können. Unser Aufenthalt ist nicht gesichert, kein Wunder, daß wir den Stier derzeit nicht sehen können, vielleicht weil wir an seinen Anblick inzwischen gewöhnt sind?, zwei Monate sind vergangen, er ist immer noch hier und wartet darauf, was der Finanzminister sagen wird. Mit einem so langen Aufenthalt hat der Gott nicht gerechnet. Bald muß er Miete zahlen, also natürlich nicht Gott, dem hier alles gehört. Herrgott, so geben Sie uns wenigstens das Licht zurück, Sonne, dann sehen wir Sie, vielen Dank. In dieser Herde verbirgt er sich also, der Stier, eine helle, wogende Masse, die grade da angekommen ist, eine andre sehen wir derzeit nicht, ein einziger gleißender Rücken ist das hier, ist das Plastikfolie?, ja, ist es, da zieht sie hin, in Richtung Schwüle des Nordens, nein, das muß ein Irrtum sein, das ist das Feuer, das muß ein Feuer sein, was wäre sonst so glänzend? Sie ist so oft umgezogen, die Herde, aber jetzt weiß sie endlich, wo sie hinmöchte, auf dieses trockene Feld zieht es sie, da wird sie gewiß was für sich kriegen; so haben wir uns das vorgestellt, doch der Fleischlieferant ist jetzt, wie gesagt und auch gelesen, pleite, vorhin haben sie es durchgegeben, und ich habe es auch gesagt, ja, ich bin schnell, schneller als meine Zeit erlaubt, der Mann wurde in den Konkurs mit hineingezogen, als ein Hauptlieferant, ein einzelner Stier hätte da auch nichts mehr gebracht. Er senkt nun den Kopf, der Bullenmarkt nimmt ihn genausowenig, oje, er befindet sich im Niemandsland, keiner gibt ihm was für sich, da nimmt er sich halt die Jungfrau, warum nicht. Derzeit ist er noch wie angepflockt, auf diesem Flußufer, wo brennend stehen die Ulmen, die Weiden und die Tamarisken, nein, die nicht, die stehen, gemeinsam mit den Thujen, davor dieses Autowrack, auf das ich ausdrücklich hinweisen möchte, den, der drin war, sind wir jetzt los, die künstlerischeren Gewächse also stehen, eigens gezüchtet, wenn auch nicht für diesen Autounfall, in diesem Vorgarten, in den dürfen Sie nicht hineinpinkeln, der gehört Ihnen nicht.

Für dieses Tier allein würden Sie einen ganzen Lastwagen brauchen, wie haben Sie sich das vorgestellt? Daß der hier auf Sie wartet? Daß der blind, noch dazu mit Ihnen auf dem Rücken, in ein Gewässer taumelt wie der Skorpion auf dem Frosch? Seine Natur ist eine ganz andere. Na, dann warten Sie halt. Ihren Platz im Bus nimmt sofort ein andrer ein, der ein junger Mann ist, deshalb würde ich nicht zu lange warten, hinter dem kommen noch Tausende, die sind wie er, also ich meine, die so jung sind wie er. Ohne eine Herde, ohne ein Teil von etwas zu sein, das er selbst mit seinem eigenen Körper geschaffen hat, wäre er gar nicht erst angekommen, doch er wurde ausdrücklich eingeladen, nein, nicht von diesem Bus, von einer weisen Frau, die Werte setzt wie Grenzsteine. Eingeladen wurde er, dieser Gott, doch eine Einladung hatte der nicht nötig. Ohne diese Herde, die jeden Mist mitmacht, der durch die Ohrstöpsel gejagt wird, hätte er nicht bekommen, was er wollte, der Gott, hätte er sich nicht zubereiten, ich meine nicht als Rindsbraten natürlich, hätte er sich nicht irgendwohin bringen können, wohin er zu gehören glaubte, hätte er sich nicht auf diesen Weiden einweisen lassen müssen, welche eingeweiht wurden für die letzte Etappe der Reise, weiter, nur weiter, rasch!, dort drüben ist das gelobte globale Land, sehen Sie den Wegweiser: Germany, vielgelobt, vor allem für seine Autos, alle minus einem, das leider hin ist, die ganze Marke ruiniert, gut, daß Sie Ihres nicht mitnehmen konnten, hier warten schon neue auf Sie. Na eben!, und wieso lassen die in letzter Zeit so nach?, na eben! Wir hier sind nur die Haltestelle davor, immer grade nur eine Haltestelle davor.

So, da steht er jetzt, der Stier, inmitten andren Schlachtviehs, das darauf wartet, von gierigen Mäulern verschlungen zu werden. Der Tod ist für die Tiere ja nur eine Art Zwischenstation. Dieser eine Stier aber wird was andres zu tun kriegen, er wird nicht auf den Todeskampf, den Schlachtschuß warten müssen. Da hat etwas geknarrt! Das Gelenk einer Tür? Ist das dieses Tor, wo die Schicksale ausgegeben werden, und wenn der Käufer weniger ausgeben will, kann er Rabattmarken kleben, dann zahlt er weniger für das Fleisch oder eine andre Ware, die jedoch einen bestimmten Wert überschreiten muß, sonst kriegt er gar nichts reduziert, es wird ihm nichts geschenkt. Dazu kommen noch die üblichen Prozente, aber nicht auf alles und nicht jeden Tag. Es ist kompliziert. Nur das Tier kriegt keinen Rabatt, das wird gewogen, und was es wiegt, das hat es, man erkennt es jetzt nicht wieder, denn es liegt gemütlich und portioniert in der Fleischapotheke mit den extragroßen Portionen. Was, das soll ein Tier sein? Wie, das sollen Menschen sein? Nein, die sind anders und kommen von woanders. Pro Person gibt es ein Schicksal, das es nie billiger gibt, obwohl man selbst doch auch immer diese blöden Marken auf die Eingaben geklebt hat und achtmal wiedergekommen ist, um das Ergebnis zu erfahren. Sie können aber auch gleich die Eingabetaste drücken, das kann jeder, auch der Ausländer, Sie sind ja alle Computerspezialisten und werden bald Jobs kriegen. Oder nicht. Vorkenntnisse sind besser als späte Erkenntnisse. Was ich sagen will, aber nicht kann: Ein Schicksal wartet nie, es wartet überhaupt nicht, und es ist auch zu lang nicht gewartet worden. Ungeprüft kommt hier kein Auto mehr durch. Das Schicksal sagt: Rufen Sie mich nicht an, ich rufe Sie an! Geschickt wird man, man wird weitergeschickt, nur nicht hierbleiben, wir brauchen niemand, wir sind schon jemand, wir schicken sie alle weiter, ins Irrenhaus Europa, aber vortäuschen, man wäre ein Stier, das muß einem erst mal einfallen! Kein ungefährliches Leben. Tiere haben immer Herzen voller Betrübnis, sie wissen nicht, was ihnen im nächsten Moment passieren wird. Wenn ich die kleinen und größeren Leichname ringsumher betrachte, dann gehn sich noch ein paar Male aus, ein paarmal Mahlzeiten, von Laien zubereitet, aus Freundschaft, aus Menschenwärme, aus Klimaerwärmung, die vielleicht noch mehr Menschenschwärme hierher bringen wird, die nicht wissen, wohin mit sich. Was ihnen gesagt wird, ist, sie wollen warten. Sie sollen hier warten, vielleicht kommen sie heute noch dran. Lassen Sie sich nicht täuschen, sie ist zwar klein, diese Kammer, also nicht so groß wie ihr Kummer, weil von der Familie nur noch er und eine entfernte Cousine übrig sind, bitte um Entschuldigung, ich meine nicht die streng riechende Kammer, wo alle hineinscheißen, weil zu wenig Dixis hergestellt und hingestellt wurden, ich meine diese andere dort drüben, dort wäre nicht einmal für Scheiße Platz, hier ist besetzt, hier ist jeder Zentimeter besetzt, die Kammer wurde gestiftet mit anderen Kammern für das gemeinsame Haus, und diesmal meine ich nicht Europa, denn mit dem haben wir nichts gemeinsam, ein Haus, von diesem berühmten Orchester gestiftet, und das dort drüben von dem berühmten Bauunternehmer, der unter seinen Beständen auch einen Leerstand hat, der jetzt aber voll ist. Hier herrscht Ordnung, hier werden Instrumente wieder neu gestimmt, hier werden Häuser abgerissen und neu errichtet, vorher werden sie gebraucht, bis kein andrer sie noch benützen kann; das stimmt schon, da muß nicht dran gedreht werden, daß die Wirbel krachen. Das ist hier nicht so wie in den Zelten an der Grenze, das ist was Festes, wir halten hier Ordnung, die muß man halten, sonst fällt sie einem aus der Hand, wie lang soll ich denn noch diese blöde Ordnung halten? Und wofür? Wofür sollten wir das tun, wenn dann eh alles von Bürgern, denen das Herz in der Brust wütet und tobt, wenn das eh alles verbrannt wird? Jetzt schon ein Fazit ziehen, vorher? Ist das nicht zu früh?

Ich glaube, der Stier wird jetzt gleich losschwimmen, er schaut schon so komisch, als müßte er mal dringend, bitte, nicht auch noch in die Kammer, die ist eindeutig voll, weil die Leute nicht wissen, wo und wie sie ihre Hygiene verrichten oder gar verbessern sollen!, er scharrt schon so komisch, er will weiden am fernen Gebirge, dazu muß er aber erst mal hinkommen, er strebt mit den anderen, von seinem Lande vertrieben, nach der befohlenen Stelle der Küste, und dann geht die Post ab, wann genau, das entnehmen Sie bitte dem Fahrplan, dort drüben ist er angeschlagen, es ist ein Zettel, in mehreren Sprachen. Sie haben das letzte Schwimmen im Verband versäumt? Da kann man nichts machen, das ist schon weg, der ganze Verband ist weg. Die Wunde darunter eitert unaufhörlich, damals waren wir unter Freunden!, es ist eine Infektion, sie ergreift nach und nach alle Körperteile der Bevölkerung, die nicht fragt, sondern verkündet, die verkündet, ohne zu fragen. Sie hat das Recht. Sie hat recht. Weiß ist die Farbe des Bodens, vom Schnee, den keinerlei Füße zertraten und jetzt auf einmal Tausende. Dem Stier strotzen die Muskeln am Hals, seine Hörner sind etwas klein, kommt mir, und nicht nur mir, vor, wie künstlich gedrechselt, und durchleuchtend erscheinen sie mehr noch als klare Edelsteine. Die Bevölkerung hier sieht das nicht so, sie sieht nur die Drohung auf seiner Stirn. Sein Auge schreckt sie, die Miene scheint ihnen nicht friedlich. Da staunen ihre Töchter, die Töchter des Landes, wie die so prächtig daherstolziert, die Herde der Stiere, vielleicht ist auch einer für sie dabei? Ein schönes Opfertier, das aber manchmal auch andere opfert, warum nicht?, das macht das Tier sogar besonders gern, es würde jeden opfern, um nicht selber dranzukommen, und seine Söhne werden es auch noch lernen. Schauen wir mal! Das ist nicht Terror, das ist der Endkampf um die Entscheidung für einen Gott, der mächtiger ist als alle anderen Götter. Wenn er das ist, warum für ihn kämpfen? Der schafft das auch allein. Sooft du denen begegnest, renn weg, wenn sie dich lassen. Laß Flüssigkeiten im Fluggepäck und laß deine Schuhe gleich ganz zu Hause. Sie werden dir genommen werden. Es ist jetzt Nacht, nein, Tag, doch denen dämmert es, daß sie die Mordwaffe nicht mit ins Flugzeug nehmen dürfen, sie dürfen sich nur selbst mitnehmen. So müssen sie sich alleine im Kampf versuchen, sobald sie sitzen, schauen sie rings mit den Augen, ob ihnen jemand in die Quere kommen könnte. Sie stürmen nicht her mit Geschrei; mit Angriff zu drohen sich zahm zu zeigen, nicht feindselig, dem Verderben zu wehren, das ist ihre erklärte Absicht, aber das glauben wir ihnen nicht, das müssen sie uns erklären, wir haben was anderes gehört. Die verstellen sich doch! Wir haben gehört, die fallen über uns her, die lügen doch!, und das Wahre würden sie nicht erkennen, das absolute Wahre, das nur ich kenne, und das sonstige Wahre, das vielleicht andre kennen, die aber nicht recht haben, sind hier dauernd im Clinch, und dauernd fällt einer mit der Tür ins Haus, um etwas zu sagen, das auch nicht stimmt, doch er hat sehr viele Worte dafür; dort drüben, hoch oben in der Luft, fällt einer mit der andren Tür aus dem Flugzeug (allerdings geht die während der Fahrt nicht auf), er wird überwältigt, schon bevor er von der Tiefe des Raums zwischen sich und dem Erdboden und den Flußbogen darauf überwältigt sein kann. So, jetzt fällt er auch noch mit dem Messer ins Fleisch, ja ist denn das die Möglichkeit? Ja, es ist eine Möglichkeit. Mit der Wahrheit, die sein Gott soeben gepachtet hat, damit er darauf sein Totenhaus errichten kann, wie jeder Gott, der eine, der sogar Stadtplanung studiert hat, nur um ganze Stadtteile dem Erdboden gleichzumachen, wofür er kein Studium gebraucht hätte, kann das natürlich besser als der andre, damit liegt er im Ranking für das kaputteste Haus sogar ganz weit vorn, dieser Fertighausproduzent fürs Jenseits, wo es eh viel schöner ist. Egal, ob sie es können oder nicht, aufbauen oder zerstören, dort wollen sie alle hin. Die Teile für die Häuser, alle Teile, haben am Ende nicht mehr zusammengepaßt, da greift die Gewährleistungspflicht natürlich nicht mehr, so wie die Teile nicht mehr ineinandergegriffen haben und niemand etwas begriffen hat.

Dieses Wunder haben unsere Augen also erblickt, und es ist jetzt lang vorbei. Nur Stille hier. Was wollte ich sagen, ach ja, und aus der Stille heraus spricht der Gott, er sagt das Wort, mit dem er anfängt, der Anfänger. Weit ist er nicht gekommen. Mein Gott, kann denn der Mann nicht zwischen Flüchtlingen und Flüchtigen unterscheiden? Das Ereignis kommt und geht wieder, es hat sich nur flüchtig umgeschaut. Sie sind jetzt überall verstreut, die Teile. Das war nicht dieser irre deutsche Pilot, das war dieser Gürtel, der nicht der Selbstsicherung dient, sondern zur Selbstversicherung, nein, für die Selbstsicherheit, weil danach alle anderen tot sein werden?, meinetwegen, er selber darf auch mal, das ist immer ein Immer, auch wenn es nur einmal ist. In ihrer Gesamtplanung haben diese Kämpfer nicht bedacht, sie haben es nicht mitgedacht, daß sie danach nicht noch mehr Leute umbringen können. Wo ist der Hebel, der zu allem dient, ja, gern auch zur Vergrößerung des Kontos, nur nicht zur Sicherheit? Also wir glauben denen nicht, werden es aber müssen.

Sie müssen den Bus nehmen, es wird Ihnen nichts andres übrigbleiben. Es wird Ihnen immer ein andrer Bus bleiben, einer kommt immer, einer fährt immer ab, sie fahren des Nachts, sie kommen in unaufhörlichem Zug, nein, nicht die Eisenbahn dort drüben, versäumen Sie einen, nehmen Sie den nächsten, bei Zügen geht das natürlich auch, doch die haben ihre eigenen Pläne; der Stier taumelt jetzt spritzend durchs Wasser, hat der einen Schuß?, hierhin und dorthin, nur rasch weiter, nichts wie weg!, aufschließen zur Herde, spielerisch tänzeln im grünen Gras vor dem Mädchen, nicht hierbleiben, nur nicht hierbleiben, Stillstand ist Tod, nur Bewegung bringts, daß man gesund bleibt! Und die hellen, glatten, staubigen Rücken der Busse eilen weiter in endloser Reihe nach Norden, einer von ihnen ist gar kein Bus, er ist eine andre Art Leistungs-, also Lastenträger. Und ausgerechnet auf dem sitzt die Jungfrau, auf einem zu allem entschlossenen Willen, den sie noch nicht kennt, aber kennenlernen wird. Sie wird auch nicht wissen, welchen Namen er trägt, sie wird es erfahren, daß das auch in Verzweiflung enden könnte, daß das Bewußtsein einer Rückkehr alles zerstören könnte, das alles wird sie noch erfahren, da bin ich mir sicher. Sacht wird der Gott mit trügenden Schritten zuerst in das Wasser, dann tiefer hineingehen, mit ihr, mit Europa, von der wieder ich nichts weiß, angstvoll wird Europa etwas bemerken, es aber nicht verstehen, es wird immer zurückschauen nach der Küste, ach, Europa, diese Küste wird dein neuralgischer Punkt sein, von dorther brechen sie ein, brennen sich aus, nennen sich mit unverständlichen Namen, sprechen unverständliche Sprachen, lügen, immer andre sollen schuld sein, ich breche gleich in Gelächter aus. Ich sehe schon die Landschaft, aber nicht das Land. Wenigstens der Stier ist ruhig und entführt seine Braut jetzt übers Meer, läßt seinen Körper zurück, auf einsamen Feldern werden noch mehr Rinder einem begegnen, die im Gras zur Ruhe sich lagern, wir nehmen halt das Tier, das sich als erstes anbietet; die Jungfrau hat eine neue Wohnstatt, sie wohnt ab sofort, anstatt in ihrer Eltern Haus, auf diesem Stier, dabei würden ihr fünf Quadratmeter mehr zustehen, das wurde errechnet. Sie umklammert sein Horn, damit sie nicht von ihm abfällt, schaut zurück nach der Küste, wenn jetzt was passiert, dann sind sie genau in der Mitte zwischen zwei Küsten, nicht einmal die Nationalität ihres Todes würde dann feststehen, sie konzentriert sich auf das Kommendste, das Sein gehört schon ihr, sie ist freudig gestimmt, es ist ja nicht mehr weit, bloß: Wo ist es weit, ich meine bis wohin? Unvorstellbar, doch jederzeit verstellbar, was für ein Theater der Dichter deswegen gemacht hat, die Helden sind, um den Krieg zu sehen und selbst durchzuführen, auch nur von Griechenland in die Türkei und wieder zurück gefahren, und sogar das ist wahrscheinlich erfunden, die Römer haben von der Sinnlichkeit auf Vernunft und Logik gestellt, tut mir echt leid. Besser sie hätten darüber geschwiegen und nichts geredet. Und auch die Jungfrau hält mit der rechten Hand jetzt das Horn des Stiers fest, die andre hat sie in den Schoß sinken lassen, die hat das Gefährt gerade noch erwischt, ihre Fähre, nein, ich glaube, sie hat es anders gemacht, sie hat die Busse links liegengelassen und die Fähre genommen, eine Einpersonen-Fähre, zu klein für streitbare Völker, für die Prinzessin aber reichts. Der Fahrplan war gerade günstig, es war nichts zu hören, die Männer haben vorhin zur klingenden Leier gesungen, und jetzt ertönt eine andre Leier, die dasselbe sagt, daß die Fliehenden, welthinaus Ziehenden, die hatten wir schon mal, ganz recht, schon zu oft!, daß die sich verpissen sollen, alles Terroristen!, über die Grenze, aber über welche? Na, wenigstens die Richtung stimmt. Nein, doch nicht, wie ich sehe. Egal, nur das Tempo muß stimmen, dort drüben verbrennen in lodernder Glut schon Schiffe. Was denken die sich dabei? Es kann aber auch sein, daß ein Russe schon wieder einem Türken begegnet ist. Die sollten das besser lassen.

Also ich denke mir: Wenn alle nach Norden wollen, warum nicht zur Abwechslung und Erholung in den Süden reisen? Dort häuft sich vieles, aber Waldungen, die trifft man dort nicht gehäuft, dunkle Flecken, in denen man sich verstecken kann und nachseufzen einem verlorenen Volk. Schiffe werden entsendet, ich meine, inzwischen sind sie bereits entladen, wer macht sich die Mühe, die Toten zu tragen hoch auf des Scheiterns Gerüst und zu entflammen das Feuer? Die Erde verschließt sich, wir können uns hinsetzen, bis sie ihre Spalte wieder öffnet, inzwischen lernen wir Geschichte, denn ohne Geschichte läßt sich die Natur nicht begreifen. Wir haben andre Sorgen. Hoffentlich trocknen die Sachen rechtzeitig bis in der Früh! Die Glut wütet herum, ich sehe nicht, daß sie was Sinnvolleres tut. In der Asche liegen die Gebeine, da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben, die Toten versinken sonst nur im Wasser und sind lautlos weg, falls sie nicht schreien oder stumm angeschwemmt werden wie schlafende Kinder, die manchmal auch selbst kommen, das ist jedesmal ein Ereignis, zu dem ich absolut nichts sagen kann, denn ich wache nicht über das Ereignis, das tun andere. Das muß aber ein Held gewesen sein, wenn man seine Gebeine bestattet und noch große Feldsteine draufhäuft! Wer verlangt hier nach der Feldschlacht?, wer hat die bestellt? Sie kommen zu spät, die Stiefel auf dem Grund oder ohne Grund, die Schlacht ist beendet, es geht bereits hinab in die hohle Gruft, aber das Feld alleine würde der Held auch nehmen, wenigstens ein kleines Eck davon, wäre er nur lebendig! Ein wenig Platz würde er dann schon noch brauchen, so viel, daß man die Decke und die Schuhe zum Trocknen ausbreiten kann. Wenn aus dem Spalt, solange er offengehalten wird, Feuer käme, das wäre praktisch, man selbst muß nicht draufgehen, es gehen woanders schon genug drauf. Das sage ich an dieser Stelle immer, nur finde ich oft die Stelle nicht. Man hat keinen Platz, nicht einmal fürs Graben, nicht einmal fürs Grabmal.

Der Stier reist nun endlich selbst, er könnte auch in anderen Gestalten auftreten, der Stier ist ihm einfach so eingefallen, denn mächtig ist sein Geschlecht vor den meerabrauschenden Strömen und Strömungen, er kann aber auch ein Schwan sein, wenn er will, oder eine Wolke, welche sich regen und regnen kann, egal, er nimmt jetzt sein Tempo auf und hält es, er wird später auch noch Fracht aufnehmen, denn selbstverständlich will er nicht allein durchs weitaufrauschende Meer. Die Bestätigung seiner Anfrage, also seiner Anforderung wurde ihm vor deren Ankunft zugestellt, und wie üblich ist ihm auch die Gewährung der Rücksendung garantiert worden. Jetzt kann er die Sendung verfolgen, er kann alles, was lebt, verfolgen, alles, wenn er will, er kann sich hinstrecken in den Sand, er kann seine eigene Sendung leugnen oder annehmen, je nachdem, er kann gegen Brunnen kämpfen, die aus dem Boden fließen, er kann gegen das Wetter mit seinem entsetzlichen Donner kämpfen, er kann gegen diesen furchtbaren Nebel kämpfen, er kann gegen alle Menschen kämpfen, und er kann auch gegen tiefstehende Herrscher kämpfen, also gegen wirklich alle. Speziell gemeint ist hier allerdings der Ozean, auch ein Beherrscher von allem, deswegen nimmt unser Herr ja das Mittelmeer, das ist kleiner, die Möglichkeit der Verfolgung seiner Sendung ist aber durch nichts beschränkt, die Verfolgung kann überall und auf allen Strecken stattfinden. Was da ist, kann bestellt und danach sofort verfolgt werden, schon vor der Ankunft verfolgt werden auf einem schönen, breiten, papierfreien Weg. Im Wasser hält sich Papier nicht lang. Irgendjemand hat vergessen, daß man manchmal auf einem Weg, ob hin oder zurück, ja Papiere benötigt, zumindest ein Stück, mehr wäre besser, und manchmal braucht man es sogar besonders dringend, gern auch in diesem Häuschen, das die Dixis, welche abwesend sind, sinnvoll ersetzt, obwohl das eigentlich nicht seine ursprüngliche Absicht war, es steht halt zufällig da, das Haus, das Haus eines Hirten, es kann nicht der Hirte des Seins gewesen sein, und es nimmt, ruhig wie eine Wüste das Wasser, seine neue Bestimmung an, es ist vollkommen zugeschissen, ja, schauen Sie es sich ruhig an, was Menschen machen müssen, die keinen Ruf mehr zu verlieren haben und auch selber nach niemandem rufen können, wenn irgendwo besetzt ist.

So. Einen Zettel muß der Kunde, welcher König ist, aber noch nicht Gott, jetzt ausfüllen, falls er die Ware zurückschicken möchte, der Zettel ist von Anfang an mitgekommen. Eine syrische, nein, eine assyrische, Quatsch, so viele Länder gabs damals nicht, eine wie heißt das, eine phönizische, ist ja egal, Prinzessin wurde angefordert und angeliefert, aber eigentlich liefert er sich ihr, der Stier, der eigentlich ein Gott ist, deswegen muß er alles selber machen, denn er hat niemanden über sich, der ihm Befehle geben könnte. Ist sie das überhaupt, da, auf dem Foto? Oder hat er sie woanders gesehen, die Braut? Stimmt. Paßt. Die ist es! Die europäischen Größen stimmen, sie sind im Ausland nur andere. Jeder hat andere Größen, zu denen er aufschaut. Ich sehe kein Problem. Es ist das, was der Gott, der hier, wie gesagt, bloß König Kunde ist, ich sehe das schon als eine gewisse Degradierung, bestellt hat. Soweit in Ordnung, die Papiere wurden geprüft, man hat ihr, die auch was gegen Vorkasse gekauft hat, ihr gutes Recht!, heute dürfen auch Frauen Schuhe, Frauenschuhe bestellen, angekündigt, die Lieferung schriftlich angekündigt: Hier auf dieser Fähre wird der IT-Techniker, den sie bestellt hat, die Prinzessin, eine abgeschlossene Berufsausbildung wäre fein, gilt aber nicht, gilt bei uns nicht oder nur sehr eingeschränkt oder nur im Bereich der Altenpflege oder des Putzens, das ist es, was wir brauchen, hier also wird er ankommen, sie freut sich schon so, bald werden sie beide putzen oder pflegen dürfen, wenn auch nicht nebeneinander. So hat sie es sich nicht vorgestellt bei der Vorbestellung, die Prinzessin. Eine gewisse Enttäuschung ist immer eingeplant bei Bestellungen im Netz, es ist nie genau das, was man sich gewünscht hat, denn der Erwünschte, von dem man allerdings keine genaue Vorstellung hatte (macht nichts, wir bestellen trotzdem, wir können es zurückschicken, wenn es uns nicht gefällt), wird die Form eines Stieres angenommen haben. Er sieht aus, als hätte er sich selbst in einem 3D-Drucker aus Plastik erzeugt, so schaut das Produkt zumindest aus, nicht wahr, ich sehe nicht, wie man da flüssiges Erz hätte hineinschütten können, das eigentlich bevorzugte Material, doch das funktioniert in diesem Drucker nicht, und man muß ja auch nehmen, was da ist, der hat sich aus einer Wurst Material, nicht einem Wust, einer Wurst herausgedrückt, um damit die Weiber in die Irre zu führen, mit seinem Stierkörper, ich meine mit seiner Gestalt, welche einer Plastik gleicht, weil sie aus Plastik ist. Und die Fähre wird er vielleicht auch noch selber sein, das hat er vor, allerdings, bitte um etwas Geduld, er muß erst schauen, er muß mit dem Huf probieren, wie kalt das Wasser ist, wir haben nicht mehr Sommer. Ach, hätte sie ihn bloß früher gesehen, und vor allem: ach, hätte er sie bloß früher gesehn! Nur keine Sorge, der Lieferschein muß unterschrieben werden, nicht wahr, persönlich, kein andrer soll sie nämlich bekommen, hier, auf dieses kleine Gerät schreiben Sie Ihren Namen, dann geht die Ware in Ihren Besitz über. Die Entscheidung der Annahme wird damit noch nicht gefällt, sondern sie ersteht einfach, sie steht, die Entscheidung bildet sich, und jetzt steht sie fest, sie ist luftgetrocknet. In der Inständigkeit des Nichts wird das Gelieferte oft verkannt, so daß man es voreilig zurückschickt. Noch einmal dieselbe Strecke, bloß zurück? Echt? Im Ernst? In die andre Richtung? Bevor man seine Zeit und die andrer mißbrauchen, nein, beenden konnte? Bevor man in den Kampf ewige Seligkeit gegen Vorrangzeichen, ich meine persönliche Interessen, abgewogen gegen Gott und immer für zu leicht befunden, eintreten kann? Bevor man die Flugzeugtür eintreten kann und eine ganze Handballmannschaft damit gegen sich aufbringt, welche gern drinnen bleiben würde, sie muß ja zu einem Auswärtsspiel? Dabei hat man doch kaum das Geld für den Sattelschlepper oder den Schlepper allein aufbringen können? Sogar der Tötungsbus im Burgenland mußte im voraus bezahlt werden, sonst sterben die Leute, und wo bleiben wir? Wir bleiben hier. Für den Stier aber, für die Sicherheit seiner Lieferung, hieß das: immer schön bei den andren bleiben, bei der gewählten Reise-Gruppe, sich nicht absondern, keine Festung aus sich gründen, sie soll ihn, der sie erwählte, ja erst im letzten Moment erkennen, die Prinzessin, sonst ist die Überraschung beim Teufel, und wir wollen doch alle zu Gott, nicht wahr, das wollen wir doch! Seltsamerweise in total unterschiedliche Richtungen, in die Hoffen und Sehnen sie treiben, ja, genau, ins Kommendste, denn da sieht man das Kommende nicht. Sie müssen nur noch unterschreiben, dann kriegen Sie es.

Da begibt er sich erst mal mit den anderen ins Gezelte, das noch nach Volksfest riecht, nach vergossenem Bier, kein Problem, du wirst es aber auch noch billiger geben, kein Problem, wer immer kommt, er kommt eben in einer Herde, um danach unsere Großmut, unsere Langmut und unseren langsam gegen sie ansteigenden Mut auszunützen. Anders, und meist solo, weil es nicht viele von ihnen gibt, jetzt weiß ich gar nicht, gibt es mehr Menschen, oder gibt es mehr Tiere?, sicher mehr Tiere, falls man die Insekten dazurechnet, es muß sich auf alle Fälle irgendwie ausgehen, daß eins das andre frißt und dann genau nichts übrigbleibt. Also Götter gibt es nur relativ wenige, und alle, alle kommen sie, Menschen und Götter, beide auch manchmal als Tiere, als Tiere solo, die haben wenigstens von Anfang an einen Platz im Transporter, zu essen kriegen sie nichts, aber stehen dürfen sie immerhin, damit die andren Tiere sie nicht niedertrampeln. Die ihre Gestalt aufgegeben haben, die Gestalt eines Gottes befindet sich derzeit mitten unter ihnen, die haben auch andre Mittel und Wege, ihre Schritte betrügen, alles an ihnen trügt, sie entfernen sich vom Land, haben wir uns das doch gedacht!, die bleiben nicht hier, die kommen alle, alle zu uns, und immer fester werden die Schritte, die täuschen keinen mehr, ja, auch Tiere als Götter und Götter als Tiere, die kommen alle hier an, wir wissen nur nicht, wann, aber das ist jetzt die allgemein gültige Regel, keiner kommt allein, alle kommen sie in Herden, sonst gilt er nichts, sonst macht ihn jemand ungültig, ich weiß nicht, ob man das heute noch mit einem Stempel macht, mit dem man das Reisepapier zerstört. Es ist schwer, aber man muß sich doch trotzdem irgendwie bemerkbar machen können, oder? Man wird bemerkt, wenn man zwölf Kinder hat und sich ihretwegen so furchtbar fürchtet. Das ist das gute Recht jedes Menschen, nur ist das Recht nicht immer gut. Es kommt drauf an, was kommt und wie man den Kampf zwischen den eigenen Lebensinteressen führt, welche nach ewiger Seligkeit streben, und dem Ausgleich mit sich selbst, dem Eigenen, nein, nicht den Eigenheiten, also ich meine, die können sie behalten, nein, den Ausgleich mit dem, was man halt haben und behalten will. Daß man seine Eigenheiten und Eigenheime behalten und verteidigen will, ist das hinterhältigste Mittel, durch das die Machenschaft der Herrschaft befestigt wird, sagt Heidegger nicht. Ich sage es auch nicht, weil ich nicht weiß, wie man Herrschaft befestigt, ich weiß auch nicht, wie man die Zeit am Raum befestigt, ich weiß nur, die sollen miteinander verschwinden. Ich weiß theoretisch, wie man einen Zaun befestigt. Das kann man sich jetzt anschauen. Es fehlen 80 Meter, können aber auch 800 werden. Egal, dort will eh keiner hin.

Herr Grenzschützer, darf ich bitte austreten aus Ihrem Revier?, damit man mich für einen Augenblick wenigstens im Fluchtlicht, also im Flutlicht sieht, ganz allein, pünktlich werde ich dann folgen, mittellos, wie ich bin, fürs Taxi reichts nicht mehr, ich werde folgen wie der Stier seiner Braut, die er sich selber ausgesucht hat, obwohl er schon verheiratet ist, das dürfen die aber mehrmals tun, das Heiraten, ich sage nicht, wer das darf, so wie ich nicht zur Wahrheit zurückkehre, da müßte ich schon bewußtlos sein. Ich werde folgen, ich werde pünktlich sein, einer der Busse wird mich schon mitnehmen, das Licht fällt auf mich, das ist hart, ein Licht, welches als einziges die Glut der Feuer zähmen kann, ein Feuer überdeckt nämlich das andre, bitte, ich werde erwartet, ich werde erwartet, ich werde jenseits der Grenze erwartet, drei aus meiner Familie sind schon dort, oje, da habe ich auch meine Bekannten dazugezählt, die flüchtigen, vielleicht sinds sogar mehr, ich weiß bloß nicht genau, wo das Dort ist, aber ich kann das Dort beweisen, hier, auf meinem Handy sehen Sie meine Frau und meine drei Kinder, vielleicht werden es noch mehr, zwölf wahrscheinlich nicht, beweist das nicht, daß es mich gibt und daß ich ein Recht habe? Daß man mich nicht in diesem Inzwischen festhalten darf? Nicht länger als nötig, damit ich meinen Finger irgendwohin drücken kann, alle Finger, gespenstische Linien erscheinen, Erhebungen werden erhoben, das habe ich schon dreimal in drei verschiedenen Ländern gemacht, es hat nicht weh getan, es war schnell vorbei. Ich verstehe ja, daß Sie sich vor mir fürchten, aber nicht jeder Flüchtling ist ein Terrorist, allerdings war jeder Terrorist einmal Flüchtling, ich frage mich, woher kommen die alle, bitte, da hätte er auch zu Hause bleiben können, aber dort ist wahrscheinlich die Terror-Konkurrenz zu groß, dort kann er sich nicht profilieren. Wer spricht? Es ist wahr, es ist das Wesen der Wahrheit, daß sie keinem gehört und jedem, sehen Sie den Herrn dort, der ein Schriftstück aufsetzt? Er wirft alles durcheinander; falls ich etwas davon hier brauchen könnte, würde ich es nicht finden, der wirft das Gegenhafte in die Auseinandersetzung, und in der Auseinandersetzung ist er sowieso dagegen. Ich weiß nicht, was wahr ist, sicher nicht das, was er schreibt.

Ich bin noch hier, obwohl alle Lager schon voll sind, als wären sie vollendet, sie wurden von und mit Menschen vollendet, ja, der Tunnel ist auch voll, der dort drüben auch, der wird gerade gefüllt, alles ist voll, sogar ein Radstadion haben sie wohnhaft gemacht, aber ich werde doch erwartet, wenn auch nicht dort!, ich bin der einzige, der erwartet wird, man muß nur sehen, daß ich endlich da bin, als der Ersehnte, damit ich die Prinzessin sehnen, also sehen kann und sie mich, ich werde erwartet, oder damit ich, bis sie ankommt und den Familienzuzug komplettiert, keine Ahnung, ob das noch erlaubt ist, wenigstens sagten wir früher, als es noch was zu essen gab: damit wir Erdbeeren oder andre Früchte pflücken dürfen, eine qualifizierte Beschäftigung, die zu Rückenschmerzen, Hunger und Durst qualifiziert, das war einmal, woanders. Das ist etwas aus dem Blickfeld geraten, obwohl: Erdbeeren essen viele gern. Das war einmal Arbeit ohne Waffenschmuck. Transport ohne Fahrzeuge. Wir ernteten einst unter Bewachung die Früchte, jetzt fragt keiner mehr, was wir tun, hier, ein Joch ist noch frei, nur noch das Zeichen der Knechtschaft aufbrennen, den Fingerabdruck, das geht ja schnell, aber viel kosten darf es nicht, das ganze Gepflücke, das ganze Herumsitzen, für das wir nicht bezahlt werden, sonst lohnt es sich nicht, der Lohn lohnt sich für uns gar nicht. Für uns gibts gar nichts, nur etwas Pampe in einem Teller und Obst, das nicht wir gepflückt haben. Ein Wunder, denn bei diesen Preisen im Lebensmittelhandel lohnt es sich nicht, überhaupt zu ernten. Nur wenig bleibt für uns übrig. Die Rachegöttinnen verschlagen mir die Stimme. Da sind Menschen für alles gerüstet, und was machen sie? Sie pflücken gebückt, von Stengeln, bis eine Hand einmal aus ihrem Joch herausgreift und jemand zu Boden schmettert. Mit den Früchten dürfen sie das nämlich nicht machen. Es passiert nicht viel, denn dort sind sie schon, und viele sind sie auch. Fragen Sie mich nicht, wer, wo und wie! Sowas macht man halt im Süden, man pflückt dort immer noch die Feldfrüchte, die man im Norden ißt, viel mehr gibts dort nicht zu tun, falls Sie sich gefragt haben, warum die Leute dort nicht arbeiten. Sie arbeiten nicht, weil sie es können, oder arbeiten sie nicht, weil sie es nicht können?, manchmal verstehe ich mich selbst nicht, nein, sie tun es nicht, ihre Arbeit wäre zu teuer, sie danken der Erde nicht mehr, das ist überflüssig, ich glaube, das ist auch keine echte Erde mehr, wo die wachsen, obwohl die Beeren noch Erdbeeren heißen, es zahlt sich nicht aus, da kommen so viele, die sich auf die Erde pressen, zu der sie gewandert, die sind froh, die sind ja froh, warum arbeiten die Menschen hier nicht? Wieso arbeiten sie dort auch nicht? Weil schon andre Menschen hier arbeiten. Wir dürfen es gar nicht, es ist uns verboten, daß wir uns noch einmal selbst befreien, einmal war genug; aber Smartphones haben wir schon, wir haben sie von zu Hause mitgebracht und suchen für sie immer heiße Plätze, die nicht an Erdbeeren vergeudet werden sollten, sonst reißen wir sie aus. Die Hiesigen grüßen jeden Tag die Gefilde und Berge und Felder und Gewächshäuser, die ihnen gehören, mehr würden sie nicht machen, nicht einmal wenn der Tod hinter ihnen her ist, dann legen sie sich erst recht hin und tun nichts mehr, das sage ich hier, bevor ich selbst dahingerafft werde. Die Befähigung für diese einfache Arbeit wird nirgendwo vermerkt und von niemandem verlangt. Mit etwas mehr Befähigung wäre ich jetzt schon in Kanada oder in den Staaten, die sich rechtzeitig vereinigt haben, als das noch möglich war.

Was war es also, unter so vielen, was war einzig, warum war er der einzige unter so vielen, der Stier mit seinem goldenen Fell? Ist Europa längst abgeräumt worden, die Schutzhülle, Hekatomben aus Plastik, die Klebefolie wird ihm abgezogen, welche man oben drübergetan hatte, um das Geschenk der Armut gut zu verwahren, damit es nicht abrutscht? Die Armut soll schließlich halten, aber nicht irgendwo, sondern dort, wo sie ist. Und überhaupt: Gutes Essen will beschützt sein, nicht wahr, auch vor uns, außer man gibt uns was, man schenkt uns ein, Freiwillige kochen die ganze Zeit, diese wunderbaren Menschen, woanders verhungern wir schon, weil die Freiwilligen dort unserer Mittellosigkeit nicht bedürfen, mittellos sind sie selbst. Das Essen will, wie wir, geschützt aufwachsen wie unsre Kinder nicht, es wird überall gebraucht, was für ein Glück, daß das auf die Menschen nicht zutrifft, die werden nicht gebraucht, also nicht bei uns jedenfalls, essen müssen sie trotzdem, das Essen weiß manchmal gar nicht mehr, wohin zuerst, es hat alle Hände voll zu tun, sich zu verschenken, damit die Stimme des Hungers nicht ungehört verhallt, mit dem Handy können wir sie aufnehmen, und wir können auch Fotos machen. Wir könnten auch sprechen, wir könnten auch etwas Ungefügtes sagen, das dann irgendwo angefügt wird, auf einem Antrag, der abgelehnt wird.

Diese Folien sind irgendwie so Verstärker, so sind sie gedacht, wahrscheinlich für die Sonne, sonst ist ja keiner da, das denke ich mir, trotzdem verstehe ich nur Bahnhof, weiß aber nicht, wie ich dort hinkommen soll, die Folien hat man ihm abgezogen, dem Erdteil, der nur ein Teil der gesamten Erde ist, seine Schönheit gegen Schwärze, das muß ich erst ausrechnen, wenn ich den Anfang gefunden habe, um ihn zu verlassen, aber das ist noch lang nicht das Ende. Schauen Sie, hier, das Plastikmeer, die Folien, unter Sonne das Wachstum fördert, wie schön das glitzert!, gleich wird der Glanz aber verschwinden, das hängt ganz von dieser Sonne ab, er wird verschwinden, Europa hat keine Schutzfolie mehr, nur an wenigen Stellen, wo Bodenfrüchte und Bodenfrost in die Bodenlosigkeit hinein wachsen. Wenn wir schon schweigen müssen, soll man uns wenigstens sehen! Wir haben weder Boden noch Grund, der da?, der gehört uns nicht!, aber sehen sollte man uns schon. Europa kennt Tausende Arten von Wachstum, aber gerade eins fehlt ihnen noch, und wie immer, wenn einem was fehlt, wird das dann besonders wichtig: Die Wirtschaft wächst nicht, sie wächst einfach nicht, oje, das einzige Wachstum, das man nicht mit Plastikfolie schützen kann, das kriegen die hier nicht, kein Wunder, daß sie zornig werden, uns haben sie noch gebraucht! Wir verschweigen uns nicht, wenn man uns fragt, das ist meine Frau, dort sind meine zwölf Kinder, eins nach dem anderen, die gehen aber nicht alle gemeinsam aufs Display drauf. Und wir fürchten uns alle. Ich garantiere Ihnen: Wir fürchten uns alle. Es kann entsetzlich viel passieren, nur weil entsetzlich viele Menschen unsere Grenzen passieren. Da werden schon welche darunter sein, es sind ja immer welche dabei, die noch unter uns sind, nein, das meine ich nicht, nicht im Sinn von gestorben und nicht mehr unter uns weilen, sondern im Sinn von noch tiefer als wir sein, unter uns, noch darunter, nicht wahr, tiefer, das muß uns die Geschichte lassen: tiefer geht nur schwierig, wir sind schon am Boden und bedürfen der Herrschaft oder eines mit Sprengkraft gespickten Gürtels, ja, ungefähr so einem, wie Brünhilde ihn hatte, bitte um Entschuldigung, die hat natürlich jeden Kampf damit gewonnen, auch gegen Männer, Kunststück!, aber das möchten wir auch, einen Gürtel, der uns, gemeinsam mit anderen, hoch in die Luft schleudert, je nachdem, was welcher Gott verlangt. Der andre dort verlangt nur, daß man was lesen soll, und zwar ständig, der andre Gott will das auch, nur können seine Leute das oft nicht, sie müssen es auswendig lernen und zur Tat schreiten, bevor sie verstehen, was sie nicht lesen konnten. Hier in dieser Schrift steht, was er verlangt, andren genügt eine Speisekarte. Gott will, daß wir wesentlich werden, das heißt, andre Wesen kaputtmachen, bis nur mehr er selbst da ist, ganz allein. Und wen soll er dann beherrschen, denn das will Gott, jeder Gott, das wollen auch seine Propheten, denen nicht erlaubt ist, etwas anderes zu wollen. Wenn man ein Gott ist, weiß man sowas, ist aber längst untergegangen, weil man nicht schwimmen konnte und vergessen hat, das seinem Propheten mitzuteilen, damit der es weitersagt. Und jetzt können so viele andre sich auch nicht über Wasser halten.

Da es die Zeit für mich aber nicht gibt, gibt es mich trotzdem immer noch. Schwer zu verstehen, ich weiß, die Zeit ist an den Raum gebunden, und seit damals zerrt sie an ihm, es ist immer zuwenig da, und die Leute haben immer zuwenig Zeit und zuwenig Platz, das ist, weil eins vom anderen abhängt. Wir hängen von Gott ab, die Zeit eben vom Raum, der Raum wieder davon, ob man ihn bezahlen kann, schauen Sie sich die Quadratmeterpreise an, und dann schreiben Sie weiter, wenn Sie können. Die Zeit gibts dann gratis dazu. Unser Gott spielt solche Spielchen nicht. Unser Gott will, daß man wesentlich wird, aber gleichzeitig soll man verschwinden, damit man ihn besser sieht. Ein andrer Gott will zum Glück etwas anderes, ich sagte es schon, sagte aber nicht, was, weil ich es selbst nicht weiß. Entscheiden Sie sich, einen dürfen Sie sich aussuchen, aber wirklich nur einen. Und aufpassen, daß der andre dann nicht eifersüchtig wird und Ihnen dann auch irgendwie nach dem Leben trachtet, obwohl das nicht seiner Weisung, nein, seiner Wesung entspricht, denn er ist doch das Wesen, dem wir uns übereignen sollen. Dann hat er uns. Ja, die Sonne hat er auch gemacht, er hat alles gemacht. Gut sieht man die Sonne, also bitte, die muß einfach jemand gemacht haben, der uns diesen Sommer aber feindselig gesonnen war, nein, das war der vorige Sommer, nicht dieser, schauen Sie, von hier aus kann man sie gut sehen, wenn man das Zelt verläßt, sieht man sie sogar aus der Nähe. Die Sonne kriegen wir also, gut, aber was kann die schon groß machen, die entzieht sich diesem Gericht, die Tomaten und Paprika wollen nicht reifen, und die Menschen wissen auch nicht, wohin mit ihrer Reife, sie sind ja kein Obst, sie sind noch verderblicher, also ich meine, sie verderben leichter, und sie sind am Verderb von anderen noch mehr interessiert. Das ist ihr Hobby. Also stecken Sie sich das alles dorthin, wo die Sonne nie scheint, wo sie nie hinkommt, um zu stören und den Nahrungsmitteln den Nachschub abzuschneiden. Dort kann sie gar nichts machen, wo sie doch nicht scheint. Ach ja, die Sonne, sie haben sie, sie können sie behalten, wir haben nur drei Wochen Ferien, dann können wir ja zu ihr oder einer anderen Sonne fahren. Die spielt immer draußen, obwohl sie dort jede Menge Arbeit hätte. Nur draußen findet man sie, nicht wahr, immer außen ist und außen bleibt vor und kommt vor die sengende, dörrende Sonne, davor die freundlichen Fensterscheiben, darunter das Plastik-Vlies, der Überzug Europas (das sein Konto genauso notorisch überzieht, na, wenn das alle täten ...). So, und jetzt schmeißt es sich wieder ins Meer, ins Kristallische, nur halt in Weich, das leider nicht halten wird, zu weich, als Umgekehrtes von Wasser, sagt Mr. Pound, der mit sich wuchert, nur sagt er was andres, aber es ist irgendwie ähnlich, es sieht ihm ähnlich, was er sagt. Es wird also ins Meer geschmissen, das Plastik-Dressing, oder es schmeißt sich selbst auf die schimmernden Felle der Fische, die, unersättlich, immer noch mehr Glanz vertragen können, dazu fahren dann wieder andre aus. Die werden schon auch eine Bestimmung haben, bloß der Akku ist leer, und ich sehe sie nicht.

Sein und Grund: beides dasselbe, sagt der Denker so herrlich verschmitzt, weil er schließlich ein Herr war, obwohl er für den Aufstieg manchmal einen Rucksack zum Anzug getragen hat. Was? Es mußte sein, es mußte Europa sein, es hätte auch was andres sein können, aber dann hätte es sich einen andren Grund suchen müssen, warum eigentlich, warum, der Grund ist doch schon da, also soll er auch einen Namen bekommen. Woanders ist nicht Europa, tut mir leid, trotzdem kommen sie von dort, nein, sie kommen dorthin, von woanders her, über unregelmäßige Felder, ja, gern auch in Herden, das haben wir schon zur Genüge erklärt, bloß genügt uns nie, was wir kriegen, und schon gar nicht, was wir erklären könnten. Schauen Sie, dort, die vielen Herden, die sich herauskämpften aus ihrer Stadt, wo wollen die hin? Sobald die Sonne sich senkt, brennen sie Reisigbund auf Warten ab (Vogelwarten? Sternwarten? Also bitte, worauf warten die noch?), also während sie warten, meine ich, sie wissen genau, worauf, aber die Warte ist im Winter geschlossen, doch da sind auch die Schiffe geschlossen, das Meer ist geschlossen, alles hat zu, von oben sieht man auch nicht mehr, aber man könnte Angst bekommen, wenn man diese Menge, diese Massen sähe, und es leuchtete hoch der steigende Glanz, daß Ringsumwohnende was davon haben, jawohl, damit sind auch Sie gemeint! Schauen Sie, ob vielleicht in Schiffen des Streits Abwehrer herannahn, nein, sie nahen nicht, wir kriegen sie schon vorher, und nahen müssen vielmehr wir uns, wenn es denn nötig wird, wenn welche durchkommen und Blumen pflücken für das Haupt des Stieres, das sage ich unumwunden, sowas und anderes sagen auch die Besetzer unseres Bodens, die immer schon hier waren, ein ruhmvolles Geschlecht, da gibts nichts. Das soll ihm einmal einer nachmachen, daß sie hier wohnen dürfen, weil wir das immer schon so gemacht haben! Die wollen einfach nicht weichen, dabei haben wir ihnen diese Autobahn gebaut, die jetzt in die Gegenrichtung zu uns leider leer ist, alle anderen bitte warten, gehen Sie noch nicht weg!, vielleicht wird sie bald wieder voll sein. Ich habe das Gefühl, als wären Sie nicht umsonst hier. Es hätte sich, gingen wir nach der derzeitigen Zeit, nicht gelohnt, sie überhaupt zu bauen, sie ist leer, also zumindest in einer Fahrtrichtung, zurück in den Süden, in den Osten, kein Geschäft lohnt sich hier mehr, wenn Sie hier bleiben wollen, müssen Sie einen Antrag stellen, dort drüben auch, überall, vielleicht wollen Sie doch lieber weiterfahren?, in die andre Richtung, nach Norden, ja, das wollen alle, ich sehe Ihnen an, daß auch Sie das wollen, daß Sie das Streiten daheim satt haben und daß Ihnen Ihr Eigentum pulverisiert wird, wenn Sie es gerade brauchen würden; hier haben wir den Wegweiser, schauen Sie, wie sich die Busse beeilen, damit neue herankommen und Sie mitnehmen können, hier, durch diese Tür, welche von Seitenteilen beflügelt, nein, begleitet wird, können Sie hereinkommen, aber genießen Sie nicht zuviel Freizügigkeit, man wird sie auch uns bald beschränken, nicht nur Ihnen. Wir werden den Zuzug auch beschränken müssen, wir sind ja nicht beschränkt!, wir werden die Tür gegen den Zug schließen, was nicht viel bringt, denn das ist keine Tür, das ist ein Zaun, der führt bis zur Obergrenze, die Untergrenze ist längst überschritten worden von diesen Horden.

Eine Gegenstimme: Hier ist besetzt, das macht nichts, wir sind viele, wir kommen in großen Verbänden, die blutig sind oder verbrannt von unseren Feuern. Vielleicht unter die Erde verstoßen die flehende Schar? Oder gleich in die Flut des verödeten, nein, des überfüllten Meeres, das auf der andren Seite sogar noch voller ist, noch vollgestopfter, also das Land dort? Das gilt nicht für Sie! Für Sie gilt, daß Ihnen die Mutter gebracht hat das Futter, doch bitte Vorsicht: ohne daß Ihnen das Haus auf den Kopf fallen würde. Ein Hotel wäre besser. Dort steht es schon, hier ist die Schlüsselkarte, ja, eine zweite können Sie gern dazu haben, eine für die Tür, die andre für den Strom, vielleicht noch eine dritte für die Schlüsselkräfte, willkommen?, nein, die kommen nicht, und wenn, dann haben die ihre eigene; eigentlich sollte eine Karte beides können, Hauptsache, sie hat Arbeit und ist gewillt, in einer weiteren potentiell gefährlichen Stadt tätig zu werden, wo Bomben herunterfallen. Also abgemacht, die kriegen Sie, die Karten, mindestens zwei, auch wenn Sie ganz allein sind; dort drüben ist der Felsen, von dort aus können Sie schauen, nicht wahr, schauen Sie und vergleichen Sie den Zwist, den Sie mit Ihrem Nachbarn haben, mit diesen andren Zwisten dort, streiten, kämpfen, um sich schlagen, Krieg, ja, alles ja, von mir aus, und nicht offen sein für abweichende Meinungen, das werfe ich Ihnen vor, Sie sehen sich als Ankommender in einem Refugee Center? Ich sehe Sie nicht so, ich will Sie am liebsten gar nicht sehen, ich will da nicht mitmachen, kann ich mir bitte diese abweichende Meinung leisten oder nicht? Ich kann mir alles leisten, und ich leiste es mir, ich kann mir auch Leistung leisten, ja, alles, alles, mein Rat an Sie, damit nicht ein neuer Krieg ausbricht: Vermeiden Sie das nächste Mal des andren Umarmung! Sonst kommen Sie nie mehr von dem weg. Oder nur als sein schlimmster Feind. Die Vermeidung von falschen Umarmungen ist wesentlich, damit Sie die Wahrheit endlich sehen, unverstellt durch einen Menschenkörper und unbeeinflußt von unerbetenen Zärtlichkeiten voller Falschheit. Wir wollen keine offenen Türen, solange wir sie mit unserem Schlüssel abschließen können, genau, und dann mit der andren Schlüsselkarte den elektrischen Stromer, der mal hierhin und mal dorthin blitzt und zischt, greifen Sie den auf seinem Weg bloß nicht an!, greifen Sie jeden an, aber den nicht! Den können wir Ihnen außerdem jederzeit abdrehen, dann ist er wenigstens ungefährlich. Dafür geht jetzt gar nichts mehr, man glaubt ja nicht, wofür man den Strom braucht, faktisch für alles, die Menschen können gar nicht mehr sprechen oder einen Partner finden oder mit dem Partner sprechen, ohne daß ihre Zellentelefone aufgeladen sind. Unsere Sicherung ist jetzt herabgefallen. Allerdings muß man sie, sehen Sie, so, nur wieder hinaufdrücken. So.

Noch eine Gegenstimme, hoffentlich werden es nicht mehr: Und das gefällt uns nicht, denn da kommen wiederum alle. Daß unkontrolliert alle hereindürfen, das verstehen wir nicht, wir durften so lang nicht hinaus, wieso sollen jetzt andre hinein dürfen? Wir waren so lang gezwungen, unser Schicksal anderen zu übereignen, die nichts damit anzufangen wußten, denn befreit waren wir ja schon, das wollen wir jetzt nicht mehr. Frei sind wir ja schon und können über uns selbst bestimmen. Die Welt hat uns fallengelassen, und da kommen andre und wollen uns mit sich nehmen, in die Luft sprengen. Davon werden wir nicht besser, das kann ich Ihnen flüstern. Wir haben damals, ohne daß wir gefragt wurden, unser Sein ausgetragen, bis es uns vom Leib gefallen ist, und jetzt können wir so viele, die ihre Kleider abgetragen und neue wollen, die können wir nicht ertragen. Wir sind hier anwesend, das ist unsere Grundeinstellung. Schauen Sie, wenn Sie an diesem Rädchen drehen, können Sie bewirken, daß wir lauter werden oder leiser, je nachdem. Je mehr wir sind, desto lauter sind wir, diese Freiheit haben wir uns erkämpft. Wir wollen den Fremden, die die Freiheit nicht kennen, sondern nur ihren Gott, von dem wir uns längst befreien konnten, eigentlich hatten wir keinen (wie sagt man? Die Bindung in ein Verbindliches, ja, das ist vorbildlich gesagt), nicht ständig ausweichen müssen, nicht einmal anstreifen wollen wir, fragen Sie mich nicht, an einer Diskussion sind Sie ja nicht interessiert. Sie wollen lieber, daß Schein auf Ihr Wesen scheint, aber auf Ihr Wesen fällt anscheinend was andres, ich sehe noch nicht, was es ist.

Hören Sie, es ist egal, wessen Tochter Sie sind und von welchem Tier Sie mitgenommen wurden, das ist uns egal, wir glauben das sowieso nicht, wir gehen nicht mit Gott, wir konnten uns ein Ticket leisten. Auch egal ist uns, mit welchem Ungetüm, nein, Ungestüm Sie sich schwingen auf die Höhn des Olympos, und das in Funktionskleidung, die Sie nur behindert, gute Schuhe allerdings müssen sein, klar, die sind wichtig fürs Auftreten, es ist uns egal, wann Sie in Ihr Hotel zurückkommen, schauen Sie, während Sie stürmen zu den schneeigen Höhn, wo auch irgendwelche seltsame Eingeborene wohnen und wüten oder warten und einander gegenseitig vertreiben, egal, da passiert erst mal gar nichts, außer daß wieder mal alle unterwegs sind; suchen Sie sich in Ruhe einen guten Ausblick auf die Herde, hier ist sie schon, nur Ihr Blick fehlt noch, der wird woanders aufgehalten, es gibt ja so viel zu schauen! Rücken an Rücken schiebt sie sich voran, die Herde der Verlorenen, nur den einen Stier haben wir gefunden, den Rest kennen wir nicht. Eine Stadt hat sie soeben erreicht, die Herde, viel mehr werden sie in diesem Leben nicht mehr erreichen, dort nun finden sie den Schlaf, den leiblichen Bruder des Todes, warum sollen sie den Bruder nehmen, wenn sie jederzeit das Original haben können? Fassen Sie ihm, wenn Sie können, freundlich die Hand und reden Sie, reden Sie jetzt! Sagen Sie: Hier in Europa ist sogar der Schlaf noch mächtig, während Sie selbst ohnmächtig sind, Schlaf, der Menschen und ewigen Götter Beherrscher und Herr der Firmen, die die Regeln machen und ihre Steuern steuern, ausdrücklich ausgenommen Volkswagen, bei dem auch die Reichen zahlen werden müssen, alle werden bis aufs Hemd ausgezogen werden, auch wenn sie Millionen verdient haben, denn die haben sie nicht verdient. Bevor die je ein Wort vollenden, haben sie in Amerika schon wieder ganz andre Regeln gemacht, und jetzt müssen sie bluten, die werden alle ruiniert werden, alle, auch die Nachkommen der Gründer, die Gründer der Gründer, die Zerstörer, die sich drängen zur Vorführung neuer Modelle, die schon untragbar sind, bevor sie auf die Straße kommen. Die Menschen werden jetzt überhaupt nicht mehr bezahlt, nein, werden sie nicht, die müssen selber bezahlen, auch die vollkommen zerrütteten Eigentümerfamilien, alle, da liegt noch einer, schau an, nein, der ist ja kaum anzuschauen!, wir müssen nur noch schnell die Lanze aus dem Leichnam ziehen, wird der noch gegessen, oder kann das weg? So gehorche ihnen oder geh ein, gehen mußt du auf alle Fälle, und niemand wird es dir danken, Fremder, der du der Marke Eigenbau untreu wurdest.

So. Und jetzt alle, endlich: Einer allein könnte sich nicht profilieren, klar, Rechnung und Rechenschaft werden gemeinsam ausgeliefert, die haben wir bestellt, zuerst kommt die Rechenschaft, die wir geben, nein, nehmen, nein, geben, und wenn wir diese Lieferung angenommen haben, kriegen wir die Rechnung dafür, dafür haben wir — keine Ahnung, welches wir ich meine und ob das Wir überall gleich ist in Europa, vermutlich nicht — dafür haben wir halt ein wenig Zeit, die wir schinden können, wie der Stier Europa nicht, obwohl dem Stier Europa keineswegs egal ist, der ist sogar der letzte, dem Europa egal wäre. Der Stier hatte goldenes Fell und war zart, noch bevor er im Rohr war und herausgeschossen ist, etwas hat ihn zum Leuchten gebracht, und es war nicht die Sonne, so könnte auch ich ihn zureiten oder zubereiten, je nachdem, was von Tieren gewünscht wird. Fein! Durch den dringt kein Licht mehr, er verdeckt mit seinem Körper eher das Licht, der mutige Schwimmer, der ausdauernde Renner, leider sind die Schuhe jetzt hin, egal, das wird ein Hit! Aber die neuen Modelle wurden früher immer ein Hit, und jetzt sind sie alle unter dem Einschlag der Sammelklagen zusammengebrochen. Der Stier nicht, noch lange nicht, der behält die Übersicht, was die schweren Verfehlungen andrer ihn wohl kosten werden. Das hat der heiklichen Prinzessin auf der Erbse natürlich gefallen, daß er so besonnen ist und weiß, was er will, also rauf auf ihn und losgeschwommen und ab die Post und Ankunft sogar einen Tag früher, als von den Amazonen avisiert. Natürlich sind wir da nicht zu Hause, man hätte uns rechtzeitig durch eine SMS verständigen sollen, daß wir unser Zuhause öffnen müssen vor der Post oder was weiß ich, vor wem noch. Da ist dann genug Zeit, auf dem Rücken, wo faul die Sonne liegt, das Land verschwindet dort drüben zur Linken, unter den Sternen, wo der Körper des Tieres sich jetzt ausdehnt wie ein eigenes ganzes Land. Das leistet Ihnen kein Auto, egal, was es kann oder vorgibt zu können! Nicht mehr sehen wir sie weiden auf ihren Gebirgen, die Herden, oder sagen wir: Kolonnen?, das Wort ist uns vertrauter, seit man uns die tödliche Waffe PKW anvertraute, auch da sagt man inzwischen etwas anderes, ich weiß nicht einmal, wozu oder zu wem. Stau! Stauwarnung! Schon sind sie vom Berge wieder vertrieben, Tiere müssen immer angetrieben werden, ist so, hier sind wir schon mit einem beisammen, mit so einem Stier, einem wahren Klops, der grade das Land verläßt, auf den viel drauf geht, doch nur die Jungfrau sitzt da herum, verhärtet ist ihr Mund, da sitzt sie, das neue Modell wurde soeben, an ihr vorbei, obwohl sie vorgemerkt war, an jemand anderen vergeben, da sitzt sie nun vor einem Tier, vor einem Stier, einem blutlosen Bildnis, woher hab ich das bloß? Den Stier soll sie also besteigen anstatt umgekehrt. Wie soll das gehen? Ist das Raubkunst, oder kann das weg? Nein, es ist nur Raub, mit dem man das Land verläßt und ein andres raubt, los! Auf dem Weg, auf dem viele draufgehen, ist Zeit, es ist genug Zeit auf dem Weg mit und nach Europa, das Wesen dieser Menschen auszulegen, aber nicht aller, einige bleiben übrig, wir können nicht alle Wesen auslegen, da würde ja ein neuer Kontinent entstehen, wenn man die alle nebeneinander auslegen würde, notfalls könnten wir mit all den Menschen sogar das Wasser überbrücken.


Tizian, Raub der Europa, 1560-1562, Isabella Stewart Gardner Museum in Boston

Unser Geld können wir anlegen, es wird uns bloß nichts nützen, aber Menschen lassen das nicht zu, und sie lassen sich auch nicht auslegen wie Spielkarten. Die Römer waren schon befremdlich, die Griechen schon irgendwie ähnlicher, die machen ja noch mehr Schulden als wir daheim, dem Römertum war vieles befremdlicher als dem Denken der Griechen, die glauben, sie müssen ihre Schulden nicht zahlen. Die glauben, weil sie nicht können, müssen sie auch nicht. Dieses Land, und es ist nur eins von vielen, dem es schlechtgeht, na gut, vielleicht geht es ihm noch schlechter als vielen anderen, jedenfalls verlangt es mit beherrschtem Anspruch irgendwas, mir egal, vielleicht daß noch mehr sterben sollen, was?, gut, den Anspruch beherrscht es vielleicht, nicht aber sich selbst, schon toben sie wieder herum in den Straßen, das ist ähnlich wie mit der Rasse, nein, nicht bei Hunden, aber in jeder Rasselehre ist bereits der Gedanke eines Rassevorrangs eingeschlossen, entschuldigen Sie, Herr Heidegger, aber ich verstehe natürlich, daß Sie die Frage, keine Ahnung, welche, na, die von vorhin!, nach der Leistung der Menschen beurteilen, und zwar berücksichtigen Sie, welche Leistung den Maßstäben der Kultur und so weiter untersteht. Und Sie fragen natürlich, was ist, wenn diese ganze Kultur und so Zeug halt nur Rasseprodukt ist, und zwar Deutsch Kurzhaar. Bitte jetzt keine alltäglichen kurztragenden Einwände, wenn Ihnen Rasse so wichtig ist wie Herrn H.! Mein Gott, da kommen jetzt so viele Rassen, ich weiß gar nicht, ob man die so nennen kann und ob die überhaupt eine Kultur haben, solange man sie verkaufen kann, haben sie eine, das ist der Beweis, und womöglich vermischen die sich auch noch!, und jede bringt ihre Kultur mit, die gar keine ist, also in unserer Kultur keine ist, in einer anderen wahrscheinlich schon. Sie ist das Nichts, was sie nicht ist, ist das Sein des Seienden. Grüß Gott, da sind Sie ja wieder, ich habe Sie schon vermißt! Das kommt jetzt nicht mehr, das war einmal, nicht einmal ich werde das noch einmal anrühren. Für den Seienden haben wir aber eine andre Rolle vorgesehen, und im Seltsamen meldet sich dann auch noch das Ungewöhnliche zu Wort. Doch was ist ungewöhnlicher als das Sein, ich meine, daß überhaupt noch irgendwas existiert? Das ist die Wahrheit.

Falls Sie an den zweitausend Gründen und den zwölf Gründen für Kinder an ihr interessiert sind, schlagen Sie das selber nach. Sie können es auch bei den Amazonen bestellen. Es wird Ihnen zugestellt werden, dann wissen Sie es. Die Zustellung der Rechenschaft wird erfolgen, doch sie wird bei Ihnen keinen Erfolg haben. Man braucht sie aber, damit man das alles durchrechnen kann, nicht wahr, das ist jetzt Europa, und das ist entscheidend, keine Ahnung, was es entscheidet: die Rechnung aufmachen und dann wieder zumachen, eine Durchrechnung, die alles, was ist, als Seiendes errechnet. Gut. Die rechnen also immer noch, die geben nicht die höchste Rechenschaft, die geben höchstens Rechenschaft, getrennte Rechnung, gute Freunde, getrennte Freunde, gar keine Rechnung, die wir noch abschreiben könnten. Alleine essen gehen: kein Posten für das Steuer, das sich nicht bewegen läßt, keiner für die Abschreibung. Rechenschaft für die durchgängige Berechenbarkeit? Was ist es, womit Sie da kalkulieren? Irgendwann einmal werden die uns eine Rechnung schreiben für das, was sie empfangen, und uns eine Quittung ausstellen, doch erst mal bekommen jetzt die ihre Quittung dafür, daß sie überhaupt hier sind. Das hätten sie sich vorher überlegen sollen. Die Rechnung wird jetzt aufgemacht, besser wärs gewesen, sie hätten sie im Umschlag gelassen. Doch davon wird sie auch nicht besser. Europa muß mit allem rechnen. Europa rechnet sogar mit Ihnen, was ich an seiner Stelle nicht täte! Kalkulation ist Rechnen als Überleben, nein, als Überlegen, es ist Rechnen als Überlegener, eins wird dem anderen vergleichend, abschätzend gegenübergelegt. Vernunft heißt Rechnung, und dort sind wir jetzt gelandet, bloß sind wir immer noch unvernünftig und bleiben es. Und wenn wir weiterrechnen und alles im Blick behalten, was wir behalten wollen, so bekommen wir die Rechenschaft von dem, was es mit dieser Sache Europa auf sich hat. Ich bin etwas im Zweifel, denn Europa will weder die Sachen noch die Menschen auf sich haben, die nicht zu ihm gehören und immer schon gehört haben, die ersten wollen sogar schon wieder weg von ihm, ihnen gefällt schon die Rechnung nicht, geschweige denn das Ergebnis. Das Rechnen und das Gerechnete und das Gerechte und das Gerächte, das wird alles irgendwo eingetragen und irgendwem aufgezwungen, der Vernunft wird die Abrechnung aufgezwungen, ja, so steht es hier, will aber weiter, will weiterziehen, wird aber festgehalten, nicht von uns, wir wollen das alles nicht, wir wollen nicht rechnen, wir wollen leben, damit man mit uns rechnen kann, endlich, nur mit endlichen Zahlen bitte, keine Unendlichkeits- und keine Wahrscheinlichkeitsrechnung, wer versteht die schon, und das Rechnen auf und das Rechnen mit ist ein überlegenes, nein, ein überlegendes Darbieten. Ja. Hier sind wir. Ruhiges Wasser, gelbbrauner Sand, die Gelenke der Seevögel knacken, platsch, jetzt landet wieder einer bei der Halbdüne, den hauts aber ordentlich auf den Schnabel, typischer Fall von falscher Berechnung der Anflugs- und Landegeschwindigkeit! Die graue Krone der Woge, die können Sie von mir aus haben, die wird sich schön abheben vom Rauchgrau des Felsens, da kommen schon die Touristen, sprechen Sie mir nach: Machen Sie, was Sie wollen, mit uns.

21.12.2015

 

4.3.2016

Na schön, diese Maschine an Ihrem Handgelenk, eng und liebevoll verbunden mit Ihrem Handy, sagt Ihnen nicht nur, wo Sie sind und wo Sie hinwollen und wo Sie dann sein werden, sondern auch, was Sie dort machen können, wollen, unterlassen oder müssen. Aus eigener Erfahrung hätten Sie es nicht gewußt. Die dort, deren Bewegungen überwacht werden, obwohl sich niemand für ihre Erfahrungen interessiert, sind schon weitergezogen, nur verstehe ich sie nicht, weil ich ihretwegen kein Gerät befragen konnte. Sonst hätte ich Gewinne aus der Überwachung und Veränderung von Menschen ziehen können, die dahinziehen und dorthinziehen und übereinander herziehen. Diese Überwachung ist für nichts und niemanden, diese Leute zählen nicht, sie werden gezählt, das wars schon. Sind sie schon zu viele?, wie viele dürfen sie sein, welche dürfen mehr sein, wer kommt zurück, wer darf weiter, wer muß weg, wer darf reden, wer muß schweigen, welche Logik hat das Wort? Es muß ja immer aus dem Vorhandenen genommen werden, das Verhandelte darf nicht verständlich sein, und ich sehe ja wirklich nichts, ich verstehe nichts, ach so, das wissen Sie auch schon! Sie wissen ja wirklich alles und sagen es weiter! Wie viele kommen heute, wie viele dürfen kommen?, nicht so viele, für heute ist die Quote ausgeschöpft. Die Bodenlosigkeit des Geredes versperrt keinen Eingang, und was sie sagen, das fällt unten sofort wieder raus. Niemand kann es aufheben, niemand will es. Ein Stau wird unvermeidlich sein, gleich in mehreren Ländern, die lange für den Abenteuerurlaub, den sie bieten wollten, geübt haben. Sie wollten einnehmend werden, müssen aber jetzt selber zahlen. So schnell kommt denen keiner mehr rein! Morgen gehts vielleicht, dann haben sie wieder geöffnet. Oder auch nicht. Es ist noch zu kalt. Die nagelneue Quote wird nächste Woche sicher ausgeschöpft werden, wenn die Sonne scheint, vielleicht wird sogar mehr herausgeschöpft als drinnen war. Die Maschine für uns Zivilisierte, die wenigstens verstehen, was sie ablesen, und nicht davon abirren, denn in die Irre gehen, das können wir jetzt nicht mehr, die Maschine sagt uns ja, wo noch ein Rest-Platz frei ist, sie spricht zu uns, und auch wir können mit ihr sprechen. Jede Menge im Angebot und sogar im Sonderangebot. Die Auswahl ist riesig. Und wo Sie einen Handwerksbetrieb finden, ein Restaurant, eine Herberge, die Maschine macht jetzt vernünftige Vorschläge, wenn Sie sie fragen, wo Sie sind und wo Sie danach hinwollen und wieviel Sie dort ausgeben können für das Besondere, das nur heute noch im Angebot ist. Die Maschine arbeitet immer, aber sie ist recht geladen, das sieht man, ich fürchte, Ihr Handgelenk fängt gleich Feuer, wie es die Gewohnheit mancher Heime ist, die keine mehr sein wollen. Nein, diese Heime sind nicht für uns hergestellt worden, obwohl hier alles uns gehört. Jetzt sind sie ohnedies hin. Wir können uns nicht auf das Reden und das Hören einigen, weil jedem sein Gerät etwas anderes sagt. Die vielen Stimmen. Selbst wenn sie reden, selbst wenn sie schreien, hört sie keiner. Ich schenke es mir, was sie sagen, na, ein Geschenk ist das nicht! Die eine Nummer ist zu viel, diese eine Person ist für heute zuviel, nein, für heute ist sie angeblich noch nicht ausgeschöpft, ich schöpfe und schöpfe, doch ich komme nicht auf den Grund. Die ersten kommen schon wieder retour, aber wenn die einen vorwärts wollen und die andren zurück, dann wird das Schweigen so laut, daß man nichts mehr versteht. Hier treffen sie sich also, interessant, mitten im Dreck, schauen wir mal, ob dieser Dreck überhaupt zu haben ist, vielleicht ist er überteuert, weil so viele drin stecken und der Platz schon knapp wird?, na ja, er ist nicht unbedingt das, was wir für uns gesucht hätten, aber bitte, wenn die es so haben wollen, dann kriegen sie halt keine Duschen, jedem das Seine, und wir warten dann auf ihre Erfahrungen, die jedoch im Bereich durchschnittlicher Verständlichkeit liegen müssen. Sie können von mir aus eh dort sitzen, sitzen, das dürfen sie. Und dort drüben können sie einkaufen, dort ist ein Kiosk, wo die Preise angeschrieben stehen, nur anschreiben lassen kann man nicht. Niemand ist stumm, bloß weil er schweigen kann. Das Dasein wird hier nicht ausgelegt, hier werden Bretter ausgelegt, damit man irgendwie über den Schlamm drüberkommt. Sagen Sie etwas! Bei mir erwartet Sie echtes Verstehen! Wer nie etwas sagt, hat keine Möglichkeit mehr zu zeigen, daß er auch schweigen könnte. Sie wollen vorher anrufen? Sie haben die falsche Nummer, sie sind die falsche Zahl, es könnte alles ausgerechnet werden von unseren Maschinen, doch Sie sind zu viele, die Berge bewandeln, ohne zu verstehen, was es für eine Bewandelnis, nein, Bewandtnis mit ihnen hat.

Die sehen doch nur, daß sie drüber müssen, ihnen stellt sich nichts in den Weg. Wie Wild übernachten sie in diesen Berghöhlen, bis sie wieder herumschweifen können, wenn es hell wird. Ihr Stolz hat einmal Städte beherrscht, aber nicht diese, die werden nämlich schon von uns bewohnt, nein, diese Stadt bleibt da, die können Sie nicht mitnehmen. Sie wollen hinein? Das geht nicht: Sie müssen gehen, die Stadt bleibt da. Auch wenn Sie unsere Rede erlernen, kommen Sie nicht herein. Wenn Sie gelernt haben, wer hier wohnt, nützt Ihnen das nicht, denn Sie werden es auf alle Fälle nicht sein. Fliehen Sie wie Pfeile, los, Sie sind von uns längst abgeschossen worden, ja merken Sie das denn nicht? Allbewandert, unbewandert, na, was nun? Nicht einmal der Toten künftigen Ort können Sie fliehen, denn Sie kennen ihn nicht, Sie kennen noch nicht einmal den Ort, wo Sie vor Ihrem Tod leben werden, falls Sie überhaupt leben dürfen. Überdenken Sie Ihre Flucht noch mal! Was, es ist zu spät, Sie sind schon da? Mehr, als Sie hoffen können, wollen Sie besitzen? Wollen einmal auf Schlimmes, einmal auf Gutes kommen? Bei uns nicht. Und wenn doch, wenn Sie unsere Gesetze kränken, dann schüttelt unsre Erde Sie ab, Beschworene beschwören, daß Sie es waren, Geschworene, die wir aber nicht haben, schwören nicht, wissen es aber auch. Nicht seid am Herde mit uns, das geht nicht, Ihre Zahl geht heute über das hinaus, was wir dulden, Ihre Zahl übertrifft sich heute selbst! Gleichgesinnt mit uns wollt ihr sein? Das geht nicht. Sie sehen doch, daß das nicht geht. Alles wollen Sie von uns, nur Ihren Gott versuchen, das wollen Sie nicht. Wir wollen Ihren Gott aber ohnedies nicht versuchen, einmal probiert, das reicht uns schon. Wir haben keine Gottesversuchung, wenn wir Ihren Gott sehen und was er befohlen hat. Schauen Sie nur, was Paris einmal war! Das ist es nicht mehr. Es reicht. Es reicht schon Ihre Nummer. Ihre Spur dürfen Sie nicht verlieren, Sie müssen in dieser Spur zurückgehen, und zwar verkehrt, also rückwärts. Alles auf Anfang. Das geht nicht. Ich verstehe es nicht. Ich verstehe Schuld nicht. Doch ich verstehe, wie man bei anderen Schulden haben kann. Was bin ich Ihnen schuldig? Ich komme Ihnen entgegen, es muß nicht sein, daß Sie sich schuldig gemacht haben, es genügt schon, daß Sie schuld sind. Grundsein für einen Mangel im Dasein eines Anderen? Wie meinen? Und diese Mangelhaftigkeit des Anderen soll das Ungenügen gegenüber einer Forderung sein, die an das existierende Mitsein mit Anderen ergeht? Wer will schon mit Ihnen sein, vielleicht Ihr Gott?, nein, ich sage Ihnen: nicht einmal der!

Wir. Wir gehen, wohin wir wollen, ja, auch hinaus. Und danach werden wir wieder eine gute Zeit haben, wir werden wieder Kinder sehen und vor Rührung laut aufweinen und dann wieder abweinen, wir werden abwehren, und dann werden wir wieder wir sein. Unsere Arbeit wird wieder geachtet sein, weil nur wir sie tun dürfen. Vom Boden her wird ein Sturm die Erde aufwühlen, wo Sie grad jemand begraben haben, sein nasser Leib mitsamt Würmern wird entblößt werden. Der Sonne Kreis wird sich bücken vor uns, der Himmel wird von Bränden erglühen, die wir eigens für Sie gelegt haben, sehen Sie, was für eine Arbeit Sie uns machen? Alles für Sie, das ganze Feuer nur für Sie, darauf können Sie sich was einbilden! Dem Wald wird es die Haare von den Ästen reißen. Und der Vogel wird auch weinen, wenn er das leere Nest sieht, das verwaist ist von seinen Jungen. Die Toten werden nicht weinen, nur wenn ihnen Sand in die Augen gestreut wird, und sie werden schreien, schreien, schreien, daß ihnen endlich jemand die Augen wäscht. Na, wir nicht, uns sind die Augen grade erst geöffnet worden, die sind noch ganz sauber.Wir sind ja nicht tot und können gehen, wohin wir wollen. Wir geben dem Gerät am Handgelenk jetzt unser Ziel ein, das Gerät fragt das andre Gerät in unserer Hosentasche. Gut. Die verstehen sich so blendend wie die Sonne im August. Da wird uns einiges angeboten. Mal schauen! Es ist ja nichts dabei. Danke, wir haben schon.

4.3.2016

Dank an Rainer Meyer (FAZ), gut, daß es Sie gibt, ich hätte sonst selber fahren müssen. Ansonsten die üblichen Verdächtigen, ich nehme nur die Besten, jawohl, Heidegger, Homer, Horror, Hovid, Hantigone etc.


Europas Wehr. Jetzt staut es sich aber sehr! © 2016 Elfriede Jelinek

 

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